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Joints gehören zum Strassenbild von Amsterdam wie die Velos und Kanäle - doch sollen für Touristen künftig nicht mehr dieselben Regeln gelten wie für Einheimische? Bild: _Harvey

In Amsterdam haben Touristen vielleicht bald ausgekifft

Soll den Besuchern der Besuch der berühmten Coffehouses untersagt bleiben? Amsterdam spielt mit dem Gedanken, will aber die touristische Nachfrage nicht zu stark eindämmen. Ein Lenkungsproblem in Zeiten des Overtourism.

Amsterdam kämpft schon seit längerem gegen Overtourism im Generellen und gegen das Image einer zwar toleranten, aber letztlich moralfreien Stadt, zu deren Hauptattraktionen der freie Konsum von Cannabis und das berüchtigte Sex-Viertel, das Red Light District, zählen. Zuletzt registrierte Amsterdam über 17 Millionen Touristen in einem Jahr, bei einer Bevölkerung von rund 875'000 Personen. Nachdem die niederländische Metropole bereits Tourismustaxen eingeführt und geführte Touren durch das Red Light District untersagt hat, sind nun die Kiffer dran: Es wird ernsthaft überlegt, den Touristen den Zugang zu den Coffeshops, in denen hanfbasierte Rauschmittel frei zugänglich sind, zu verwehren.

Im Rahmen einer Art Machbarkeitsstudie hat Bürgermeisterin Femke Halsema die Amsterdamer Statistikbehörden beauftragt, eine Umfrage durchzuführen. Im Visier: Die primäre «Problemtouristen-Kategorie» der 18- bis 35-jährigen, vorwiegend Männer, für welche Tüten, Titten und Billigflüge zentral für den Amsterdam-Besuch sind. Das Ziel war klar: Es ging darum zu evaluieren, ob Amsterdam weiterhin ein lohnenswertes Reiseziel wäre, wenn beim Joint- und Sexangebot die Schrauben angezogen würden.

Die Resultate sind deutlich: 65 Prozent der befragten Zielgruppe besuchen die Coffehouses für den Konsum von Cannabis, wobei 57 Prozent angeben, dass dies ein wichtiger Grund für die Wahl von Amsterdam als Reiseziel sei. 44 Prozent gaben an, dass ein Cannabisverbot ein Grund wäre, Amsterdam nicht mehr zu bereisen. In diesem Zusammenhang gut zu wissen: Niederländisches Gesetz besagt, dass Coffeehouses schon jetzt die Nationalität ihrer Kundschaft erfragen dürfen und allenfalls auch die Bedienung verweigern dürfen, doch wird dies in Amsterdam oder auch Rotterdam in der Praxis nie gemacht.

In Bezug auf das Red Light District stellte sich heraus, dass 22 Prozent der Befragten dieses als wichtiges Anziehungs-Element der Stadt empfinden, jedoch nur 1 Prozent angibt, dass dieses der Hauptgrund für den Stadtbesuch darstelle. Sollten die Mädchen hinter den Scheiben verschwinden, würden 9 Prozent der befragten Besucher nicht mehr kommen; sollten Eintrittsgebühren für das Rotlichtviertel erhoben werden, würden 32 Prozent nicht mehr kommen und 44 Prozent weniger oft kommen (Wortspiel nicht beabsichtigt).

Was nun? Die Stadtbehörden von Amsterdam werden diese Resultate in die anhaltenden Diskussionen hinsichtlich der Möglichkeiten und Arten der Besucherkontrolle einfliessen lassen. Es ist also noch kein Entscheid gefallen. Aber die Absicht ist klar: Das überlastete Stadtzentrum muss weniger stark frequentiert werden und die Touristen sollen sich besser benehmen, wofür der freie Konsum von Cannabis und Alkohol nicht direkt förderlich sind. Bislang gebe es aber noch keine Mehrheit für die eine oder andere Lösung im Stadtparlament.

(JCR)