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Die Idylle trügt: im Engadin kommt es zu einem Zerwürfnis zwischen dem grössten Aktionär St. Moritz und dem Verwaltungsrat der ESTM AG. Bild: ESTM

Engadin-Knatsch: VR-Präsident Marcus Gschwend steht nicht mehr zur Verfügung

Das Vertrauen fehlt. Jetzt zieht der Verwaltungsrat der Engadin St. Moritz Tourismus AG die Notbremse. An der nächsten GV wird ein neuer Verwaltungsrat gewählt. Die Suche nach einem neuen CEO und Nachfolger von Gerhard Walter wird ausgesetzt.

Unerwartet kam Mitte September die Nachricht, dass Gerhard Walter, damals CEO der Engadin St. Moritz Tourismus AG, per sofort sein Amt abgibt. Mit dreimonatiger Verspätung begründete der ESTM-Verwaltungsrat das Zerwürfnis mit einer massiven Budget- und Kompetenzen-Überschreitung. Die Suche nach einem neuen CEO wurde aufgenommen. Doch mittlerweile hat sich im Engadin, vor allem in St. Moritz, der Unmut der Aktionäre über den Verwaltungsrat und dessen Zusammensetzung verstärkt, das Vertrauen fehlt. Jetzt zieht der ESTM-Verwaltungsrat die Notbremse und sucht den Neustart.

Die Engadin St. Moritz Tourismus AG soll mit einem neuen Verwaltungsrat in die Zukunft gehen und damit die Handlungsfähigkeit zurückgewinnen, heisst es in einer Mitteilung. Deshalb stellt der bisherige Verwaltungsrat an der ordentlichen Generalversammlung vom 16. April 2020 seine Ämter zur Verfügung. Einzelne VR-Mitglieder schliessen ein weiteres Engagement bei Berufung jedoch nicht aus. Dies entschied das Gremium unter Leitung von VR-Präsident Marcus Gschwend an der gestrigen Sitzung in Sils-Maria einstimmig.

Zwar hätten 59 Prozent des Aktionariats das Vertrauen ausgesprochen, doch für den 34-Prozent-Aktionär St. Moritz gelte dies nicht. Deshalb mache der Verwaltungsrat den Weg frei für einen Neuanfang und eine personelle Neubesetzung der strategischen Führung der ESTM AG. Es liege nun vor allem an St. Moritz, gemeinsam mit den übrigen Aktionären, bis im April einen neuen Verwaltungsrat vorzuschlagen.

«Ich stehe nicht mehr zur Verfügung»

Marcus Gschwend, VR-Präsident ESTM AG

Travelnews hat bei Marcus Gschwend nachgefragt. Der VR-Präsident sagt: «Ich stehe nicht mehr zur Verfügung, weder als Präsident noch als normales VR-Mitglied.» Die übrigen VR-Mitglieder hätten sich noch nicht festgelegt, ob sie sich einer allfälligen Wiederwahl nochmals stellen würden. Auf den von St. Moritz geäusserten Vertrauensverlust angesprochen, sagt Gschwend: «St. Moritz hat dem VR das Vertrauen entzogen, ohne dies zu begründen». Eine sofortige Wahl eines CEO's erachtet er nicht als dringend: «Die dreiköpfige Geschäftsleitung funktioniert und arbeitet seit September sehr gut und zieht an einem Strick.» Daher könne man nicht sagen, dass der VR fahrlässig handle.

Bis zur ordentlichen Generalversammlung wird der noch amtierende Verwaltungsrat die Geschäfte weiterführen. Die Wahl eines neuen CEOs wurde auf Wunsch von St. Moritz und Pontresina am letzten Samstag bis auf weiteres ausgesetzt. Der Verwaltungsrat sei davon überzeugt, dass das operative Geschäft in der laufenden Wintersaison von diesem Entscheid nicht tangiert ist und die Geschäftsleitung das uneingeschränkte Vertrauen verdient.

(GWA)