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Geishas im abendlichen Kyoto: Diese sind ab sofort in Ruhe zu lassen. Aufdringliche Anfragen für Selfies oder sonstige Fotos sind verpönt. Bild: Sorasak

In Kyoto sind Selfies mit Geishas jetzt verboten

Die Geishas und Meikos in der japanischen Stadt haben sich über Belästigungen von Touristen beschwert. Nun gibt es für solche heftige Bussen.

Reisen nach Japan sind im Trend. Besonders beliebt ist dort die frühere Hauptstadt Kyoto mit ihren vielen Palästen, Schreinen und Parks. Beliebt sind auch traditionelle Kaiseki-Mahlzeiten, welche in Begleitung einer Geisha (also einer japanischen Gesellschaftsdame in traditioneller Aufmachung) eingenommen wird. Besonders im Stadtteil Gion sind viele Geishas anzutreffen.

Wie es nun so ist, sorgen aber auch in Kyoto die Touristenmassen für unangenehme Nebenerscheinungen. Denn die Geishas haben sich darüber beklagt, von allzu vielen Touristen und teils sehr aufdringlich um Selfies gebeten zu werden. Oftmals liegt dabei auch ein Missverständnis der Geishas - in Kyoto übrigens «Meiko» genannt - vor: Diese sind Hüterinnen traditioneller japanischer Kunst, sie treten auf, spielen Musik, führen Gespräche, zeigen traditionelle Tee-Darbietungen; mit Erotik hat ihre Tätigkeit aber gar nichts zu tun, was leider bei vielen westlichen Touristen offenbar nicht klar ist.

Die Behörden von Kyoto haben nun das Fotografieren der Geishas in Gion und weiteren Stadtteilen untersagt. Wer dennoch Geishas fotografiert bzw. belästigt, muss mit einer Busse von bis zu 10'000 Yen (rund 91 Franken) rechnen. An zahlreichen Strassen in Gion sind inzwischen Warntafeln angebracht.

Nicht nur die Geishas selber, welche manchmal regelrecht für ein Foto gejagt werden, haben sich beklagt. Auch Besitzer von Restaurants und Läden in Gion beklagen sich über das hohe Touristenaufkommen, welches zu Abfallproblemen, Staus und Auseinandersetzungen geführt habe. Natürlich leben aber auch zahlreiche lokale Restaurants mit den Tatamis von den genannten Kaiseki-Mahlzeiten mit den Geishas, weshalb es auch hier wieder so ist, dass die Touristen nicht per se das Problem sind, sondern das Management einer extrem gewachsenen Anzahl an Touristen. Zudem ist das Fotografieren im öffentlichen Raum nicht wirklich verboten. Den Behörden geht es aber darum, dass sich die Touristen gegenüber dem lokalen Gewerbe und insbesondere den Geishas rücksichtsvoll verhalten.

Fürs erste wird der Touristendruck allerdings weiter zunehmen. 2018 besuchten bereits 31 Millionen Menschen Japan, also 9 Prozent mehr als im Jahr davor, was unter anderem auch auf die Schwäche des Yen zurückzuführen ist. Für das nächste Jahr, wenn auch die Olympischen Spiele in Tokio stattfinden, sind 40 Millionen Besucher angepeilt.

(JCR)