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Saudi-Arabien hat eigentlich sehr viel zu bieten - im Bild Wüste Al Nefud. Doch welchen Tourismus will Saudi-Arabien wirklich? Bild: Rabah Al-Shammary

Saudi-Arabien öffnet sich definitiv für Touristen

Ab dem morgigen 28. September gilt für 49 Länder, darunter die Schweiz, eine erleichterte Vergabe des Touristenvisums. Darüber hinaus sollen die Kleidervorschriften für Frauen gelockert werden. Ob dies allein für einen Touristenboom reicht?

2016 wurde die «Saudi Vision 2030» verabschiedet. Dabei geht es um eine Diversifizierung der saudischen Wirtschaft, also langfristig gesehen um eine Loslösung von der Abhängigkeit der Erdölindustrie. Das umfasst die Schaffung neuer Wirtschaftszweige, vorwiegend im Dienstleistungssektor. Der Tourismus wurde als eines der Standbeine der Vision 2030 definiert. Damit Tourismus funktioniert, muss einerseits Infrastruktur geschaffen werden, aber auch einfacher Zugang.

Letzteres ist ab Morgen (28. September 2019) möglich: Saudi-Arabien erlaubt es ab dann für Bürger von 49 Ländern - darunter die Schweiz und alle anderen Schengen-Staaten, aber auch die USA, Russland oder China - mit einem simplifizierten Visum einzureisen. Bislang wurden Visa primär für Arbeitskräfte («working visa»), muslimische Pilger und Expats ausgestellt; für Touristen bestand diese Möglichkeit theoretisch auch, doch das der Erhalt eines Visums extrem zeitaufwändig und teuer und der Reiseveranstalter musste für den Reisenden bürgen. Deshalb gibt es - ausser dem Massengeschäft mit den Pilgern - keinen nennenswerten internationalen Tourismus in Saudi-Arabien.

Das soll sich mit der Lockerung des Visumsregelungen nun ändern. Das Ziel lautet, bis 2030 über 100 Millionen Touristen ins Land zu locken und den Anteil des Tourismus am BIP von aktuell 3 auf 10 Prozent zu erhöhen. Zwei Grossprojekte sollten bis dann fertiggestellt sein: Das «Red Sea Project» am Roten Meer, wo auf 50 Inseln Luxusresorts - ähnlich den Malediven - entstehen sollen, sowie die Planstadt «Neom», die zu einem Finanz-, Technologie- und Tourismus-Hub werden soll, oder auch die Entertainment-Stadt Qiddiah, welche derzeit nahe der Hauptstadt Riad entsteht.

Auch die Kleidervorschriften werden gelockert

Tourismus-Minister Ahmad al-Khateeb erklärte, dass die Regeln gerade für reisende Frauen relativ locker gehandhabt werden sollen. So müssen Besucherinnen im Gegensatz zu den Einheimischen keine Abaya tragen, sollten aber dennoch «züchtig» gekleidet sein. Was das genau heisst, so in Kürze näher definiert werden. Ebenso sei es Frauen erlaubt, auch selber durch das Land zu reisen; Frauen aus Saudi-Arabien dürfen sich dagegen ausserhalb ihres Heims nicht ohne männliche Begleitung frei bewegen. Al-Khateeb verweist darüber hinaus auf die Vorzüge seines Landes, welches etwa über fünf Unesco-Welterbestätten und aktuell noch völlig wild belassene Strände am Roten Meer verfügt.

Dass Saudi-Arabien landschaftlich und kulturell viel zu bieten hätte, steht nicht zur Diskussion. Allerdings ist noch nicht ganz klar, wie das Nebeneinander von Touristen und Einheimischen im erzkonservativen Land gelingen soll, oder ob der Tourismus vor allem auf gutbetuchte Touristen in geschlossenen (und damit etwas liberaleren) Zonen wie eben beim Red Sea Project abzielt. Letzteres wäre ein Modell wie auf den Malediven: Die Touristen bekommen von den strengen lokalen Gesetzen eigentlich gar nichts mit. Ob wirklich Kulturtourismus, wo man sich völlig frei bewegen kann, erlaubt ist, ist nicht ganz klar. Sicher ist aber, dass die Pilgerstätten in Mekka und Medina auch künftig von Nicht-Muslimen nicht betreten werden dürfen.

Ist es somit für Veranstalter interessant? Philippe Raselli, Geschäftsführer des Zürcher Arabien-Spezialisten Holiday Maker Tours, erklärt gegenüber Travelnews: «Wir haben früher schon einmal Saudi-Arabien angeboten, doch die Nachfrage war sehr bescheiden. Mit den neuen Visumsbestimmungen kann das Land künftig aber einfacher bereist werden. Ich werde mir das Land und die dortigen touristischen Angebote sicher mal ansehen und danach entscheiden, ob wir wieder Angebote in den Katalog aufnehmen.» Dass Saudi-Arabien ein neues Massenziel am Roten Meer werden könnte, glaubt allerdings auch Raselli nicht.

(JCR)