Destinationen

Heat_AdobeStock.jpeg
Machen Sie sich auf weitere Hammer-Sommer bereit: In unseren Breitengraden wird die durchschnittliche Jahrestemperatur bis 2050 um 2,2-2,8 Grad zunehmen und die Spitzen in den heissesten Monaten rund 5-6 Grad über den aktuellen Spitzen liegen. Bild: AdobeStock

Unsere Kinder brauchen künftig nicht mehr in den Süden zu reisen

Eine aufsehenerregende Studie besagt, dass 77 Prozent der Städte weltweit vor markanten Klimaumbrüchen stehen. Insbesondere nordische Städte werden bei der Durchschnittstemperatur zulegen. In Zürich beispielsweise herrscht in wenigen Jahren dasselbe Klima wie aktuell in Mailand.

Das Biologie-Institut Crowther Lab der ETH Zürich hat eine aufsehenerregende Studie veröffentlicht. In dieser Studie wurde das aktuelle und das prognostizierte Bioklima miteinander verglichen, basierend auf einem sehr optimistischen Szenario einer globalen Erwärmung um nur 1,4 Prozent bis 2050. Spannend ist insbesondere das Aufzeigen, wie sich die klimatischen Bedingungen in den Städten schon nur so verändern - und welches Klima sie dann 2050 haben und welches Äquivalent dazu sich bereits heute findet.

Das durchschnittliche Jahrestemperaturwachstum und die durchschnittliche Zunahme der Hitzespitzen im Sommer sowie das aktuell vergleichbare Klima lassen sich auf dieser interaktiven Karte nachvollziehen. Klickt man beispielsweise Zürich an, geht daraus hervor, dass dort 2050 ein Klima wie aktuell im rund 300 Kilometer weiter südlich liegenden Mailand herrschen wird. Die Jahresdurchschnittstemperatur wird um 2,2 Grad zunehmen, die heissesten Monate teils um 5,6 Grad wärmer sein als bisher, die kältesten um 4,3 Grad. Will heissen: 40 Grad werden in Zürich schon bald erreicht und sogar quasi normal sein. In Bern werden die Spitzen nicht so stark anwachsen, die Jahresdurchschnittstemperatur steigt jedoch um 2,4 Grad.

Was die Badi-Betreiber freut, stellt die Landwirtschaft, die Wasserwirtschaft und die Energiewirtschaft vor grosse Probleme. Und was ist mit der Tourismus-Wirtschaft? Die muss sich darauf einstellen, dass durchaus noch gereist wird, aber nicht mehr zwingend, um «einfach schöneres Wetter» zu haben. 2050 wird London laut der Studie ein Wetter wie heute Barcelona haben, Hamburg eines wie aktuell San Marino, Stockholm eines wie Wien und Paris - wo vor wenigen Wochen eine extreme Hitzewelle verzeichnet wurde - darf sich künftig klimatisch mit Canberra in Australien vergleichen. Aber auch bereits heisse Gebiete werden noch heisser: Dubai beispielsweise wird ein Wetter wie aktuell Khartoum (Sudan) haben, also noch an Hitze zulegen.

Noch nie da gewesene klimatische Bedingungen

Wichtige Erkenntnisse der ETH-Forschenden besagen, dass vor allem bislang gemässigte Städte der Nordhalbkugel bei den Temperaturen zulegen werden. Süd-Skandinavien muss sich auf zentraleuropäische Verhältnisse einrichten, während der weltweit grösste Klimaunterschied im slowenischen Ljubljana erwartet wird: Die kleine Hauptstadt wird im besten Fall um nur 3,5 Grad bei der Jahresdurchschnittstemperatur zulegen und im Sommer Spitzen von 8 Grad mehr als aktuell verzeichnen. Es wird quasi zur Tropenstadt.

In 22 Prozent der Städte wird es komplett neue, bisher noch nie da gewesene klimatische Bedingungen geben, beispielsweise in Jakarta oder Kuala Lumpur. Über die Hälfte der so betroffenen Städte liegen in Tropengebieten. Generell wird besagt, dass es sowohl im Sommer als auch im Winter im Schnitt wärmer sein wird und dass die Jahreszeiten sich immer mehr angleichen, und dass regnerische Zeiten mehr Regen als bisher mit sich bringen, aber auch Dürren schlimmer als bisher sein werden.

Natürlich werden jetzt sehr viele Leute wieder sagen «was kümmert mich 2050?» und auf das nur spärlich eingetretene Waldsterben verweisen und den Klimawandel in Frage stellen. Was sind schon wissenschaftliche Studien... Nun, London nimmt Dürre und Wassermangel in die offizielle Klimastrategie 2050 auf. Viele Städte richten sich auf infrastrukturelle und organisatorische Herausforderungen ein, die es in dieser Form in den letzten Jahrzehnten nie gab. Und auch der Tourismus wird sich damit befassen müssen.

(JCR)