Destinationen

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Pascal Schär, Tourismusdirektor Saas-Fee/Saastal — in drei Stunden und zwei Minuten vom HB Zürich nach Saas-Fee. Bild: GW

«Wir verzeichnen in Saas-Fee viele spontane Buchungen»

Von Gregor Waser

Dank der Schneesicherheit gehört Saas-Fee in diesen Tagen zu den Gewinnern im Alpenraum. Tourismusdirektor Pascal Schär über den Schnee auf den Dächern, chinesische Skifahrer und das laufende Digitalisierungsprojekt.

Herr Schär, grüne Hänge prägen derzeit die Bilder aus den Wintersportorten. Wie schauts in Saas-Fee aus?

Pascal Schär: Saas-Fee wurde bereits mehrmals zum schneesichersten Skigebiet der Alpen erkoren. Auch in diesem Winter zeigt sich diese Schneesicherheit. Die Dächer sind weiss und im Dorf herrscht eine winterliche Atmosphäre. 90 Prozent der Pisten sind geöffnet und die Talabfahrt ist bereits seit Ende November offen. Aus diesem Grund haben wir die „Urlaub zurück Garantie“ lanciert und garantieren bis an Ostern eine offene Talabfahrt. Können wir diesem Versprechen nicht nachkommen, offerieren wir dem Gast im Folgejahr denselben Aufenthalt kostenlos.

Wie haben sich die kurzfristigen Buchungen entwickelt?

Aufgrund der Schneesicherheit konnten wir zahlreiche spontane Buchungen registrieren. Insbesondere Gäste, die ihre Ferien im benachbarten Ausland gebucht haben, buchen spontan um. Zudem zählen wir täglich mehrere Reisecars, welche mit Gästen aus schneeärmeren Destinationen nach Saas-Fee kommen.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Wintersaison generell?

Die Märkte Deutschland und Benelux liegen etwas unter den Erwartungen, Grossbritannien stabilisiert sich und beim Heimmarkt konnten wir die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr halten. Generell sind die Aufenthalte kürzer geworden. So verzeichneten wir im Sommer zwar 14 Prozent mehr Ankünfte von Schweizern, unter dem Strich blieb die Anzahl Logiernächte aber auf Vorjahresniveau.

Profitiert Saas-Fee von neuen Märkten wie China?

China ist für uns interessant, weil das Land einen enormen Anstieg an Skifahrern verzeichnet und es sich dabei meist um Individualreisende handelt. Deshalb haben wir für China unser Werbebudget erhöht, um den Markt besser zu erschliessen. Hierfür sind wir zusammen mit Schweiz Tourismus in Asien auf Vermarktungstour. Mit Fabian Zurbriggen haben wir zudem einen Skilehrer im Einsatz, der fliessend chinesisch spricht und auf diese Weise gute Werbung für uns machen kann.

«Wir wollen den Customer Journey genau verfolgen, festhalten und nutzen»

Wie wichtig ist mittlerweile die digitale Präsenz für eine Destination?

Als Tourismusregion muss man heute digital denken und agieren und sich den Herausforderungen des heutigen Kundenverhaltens stellen. Für uns ist deshalb die digitale Strategie mit dem laufenden Digitalisierungsprojekt zentral. Wir wollen den Customer Journey genau verfolgen, festhalten und nutzen. Dabei müssen wir die Hoteliers und Ferienwohnungsanbieter einbinden, denn auch sie müssen ihre neue Rolle finden. Wir bringen die Kunden „nur“ an deren Schaufenster, danach müssen sie übernehmen.

Wie unterstützen Sie die Hoteliers?

Wir haben beispielsweise eine benutzerfreundliche App lanciert, auf der jedes Hotel oder jeder Ferienwohnungsanbieter Informationen einspeisen kann. Auf der App kann der Gast sein gebuchtes Hotel aussuchen und erhält neben den Destinationsinformationen — Wetter, offene Anlagen, Veranstaltungen, News oder Wanderguide auf GPS-Basis — alle wichtigen Informationen zum Hotel auf sein Smartphone. Die zentrale Datenbank erlaubt uns die Aktivitäten und Kosten der Unterkünfte zu bündeln, womit wir den Hoteliers einen besseren Zugang zum Gast ermöglichen — und natürlich umgekehrt ebenso. Des Weiteren stellen wir allen Unterkünften eine Plattform für ihr Kundenmanagement zur Verfügung und binden Sie an unser zentrales Social Media System an.

Sie gehörten mit dem Adrenalin Cup zu den nominierten Milestone-Projekten. Wie läuft dieser Cup?

Nach der guten ersten Saison erhoffen wir uns diesen Winter noch mehr Teilnehmende, denn der Adrenalin Cup ist neu im Ticketpreis inbegriffen. Der Gast kann dabei seine Leistungen in zehn verschiedenen Disziplinen messen. Über die ganze Saison hinweg gibt es eine Gesamtwertung, bei der sich zum Beispiel eine 60-Jährige, auf Basis eines Algorithmus, mit einem 20-Jährigen messen kann. Die eigene Fahrt wird jeweils per Kamera verfolgt, sodass man sein Video in den Social Media teilen kann. Auch hier geht es um die Digitalisierung des Skierlebnisses.

Pascal Schär (35), Tourismusdirektor Saas-Fee/Saastal

Schon früh zog es den Zürcher Oberländer in den Tourismus. Zunächst arbeitete er als Praktikant bei Zermatt Tourismus, später als Concierge auf dem Bürgenstock und leitete das Service Public in Disentis/Sedrun. Nach seinem Master in Betriebswirtschaft avancierte er mit 29 Jahren zu einem der jüngsten Tourismusdirektoren der Schweiz.