Destinationen

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Selbstfahr-Touren durch Western Australia – hier die skurrilen Pinnacles – sind bei Schweizern sehr beliebt. Bild: Adobestock

Selbstfahren ist der Australien-Dauerbrenner

Von Urs Wälterlin, Perth

Australien-Reisende aus der Schweiz wollen den roten Kontinent am liebsten im eigenen Camper erkunden. Und sich am Abend in ein gemachtes Bett legen – aber nicht in das im Fahrzeug. Erkenntnisse und Trends von der Australian Tourism Exchange (ATE).

Australien mag zwar eine Traumdestination sein. Zu viele Reisende aber lassen sich Zeit, sich den Traum zu verwirklichen. «Australien muss es auf die To-Do-Liste schaffen, nicht nur auf die Can-Do-Liste. Wir müssen neue Geschichten über unser Land erzählen und die Leute davon überzeugen, dass sie ihre lange gehegten Pläne für eine Australienreise auch verwirklichen», sagt John O’Sullivan, Chef von Tourism Australia (TA) während der Fachmesse Australian Tourism Exchange (ATE) in Perth, die noch bis am 12. April andauert. 600 Vertreter von 500 Unternehmen aus 30 Ländern treffen sich in der westaustralischen Stadt mit 1400 Anbietern von 546 australischen Reiseunternehmen.

Nicht dass es dem Land Downunder an Besuchern fehlen würde: im letzten Jahr verwirklichten sich 9,2 Millionen Menschen den Traum. Vor 40 Jahren, dem Jahr der ersten ATE, waren es noch 700'000 Besucher. Auch Schweizerinnen und Schweizer können nicht genug bekommen von Australien. Im letzten Jahr reisten 60'000 Eidgenossen auf dem Kontinent, 7,7 Prozent mehr als 2017. Und sie suchen vor allem eines: das Abenteuer.

«Manchmal wollen die Leute an Orte reisen, die wir selbst noch nicht mal richtig kennen», sagt Karin Marty (Bild), Product Manager Oceania von Travelhouse in Glattbrugg ZH, während der diesjährigen ATE. Viele ihrer Kunden seien besonders von Westaustralien angetan. Selbstfahrtouren – etwa in das Gebiet Pilbara im Norden des Bundesstaates, zu den Schluchten des Karinjini-Nationalparks – seien sehr beliebt, sagt die Australien-Expertin. Die Route von Perth bis nach Darwin, das sei noch immer eines der Lieblingsziele für Schweizerinnen und Schweizer.

Weg mit den Einweg-Mieten

Die australische Reiseindustrie passt sich dem wachsenden Bedürfnis nach «Self-Drive»-Produkten an. Jetzt könnte es einem Dauerproblem endlich an den Kragen gehen: die horrenden Rückführgebühren für Einweg-Mieten. «Avis hat den Preis für die Rückfahrt des Fahrzeugs bei einer One-Way-Buchung zwischen Perth und Exmouth am Ningaloo-Riff von 1000 auf nur noch 200 australische Dollar gesenkt», sagt Suzanne Fisher, Marketing-Chefin von Australia’s Coral Coast. Damit werde es viel mehr Besuchern möglich sein, das «andere Riff» Australiens zu erleben, und die Vielfalt von Flora und Fauna in diesen von Menschenhand wenig berührten Gewässern. Der neue Preis gelte für alle Buchungen ab sieben Tage. Wenn sich die Massnahme bewähre, dürfte sie auch von anderen Mietwagenanbietern übernommen werden, glaubt Fisher.

Auch Marco Russo (Bild) von Nova Tours in Aarau sieht kein Ende beim Bedarf für Selbstfahrtouren quer durch Australien. Und er stellt einen neuen Trend fest: «Wir verkaufen immer mehr Packages», sagt der erfahrene Australien-Fachmann während der ATE zu travelnews.ch. «Die Kunden reisen zwar mit einem Camper, wollen dann aber in einem Hotel oder einer anderen angenehmen Unterkunft übernachten».

So habe er Gäste, die sogar auf einer 21 Tage dauernden Selbstfahrtour von Perth jede Nacht vorausbuchten. «Denn ein 60 Zentimeter breites Bett ist einigen eben nicht breit genug».

TA pumpt Millionen in die Entwicklung neuer Projekte. Der Grossteil der Mittel geht in die seit einigen Jahren wichtigsten Märkte – China und Indien. Dort wird intensiv mit Internet-Plattformen wie WeChat und Mafengwo zusammengearbeitet, die sich auf das Bedürfnis der asiatischen Konsumenten ausrichten, jede Minute ihrer Australien-Ferien in Videos und Selfies einem möglichst grossen Kreis von Bekannten zu zeigen. In den europäischen Märkten gilt ein etwas anderer Zugang.

«Wir wollen von den drei Ikonen Uluru (Ayers Rock), Barrier Riff und Sydney etwas wegkommen und den Leuten Erlebnisse bieten, von denen sie überrascht werden, die unterwartet sind», so John O’Sullivan. «Cultural Attractions of Australia» etwa ist ein Angebot von aussergewöhnlichen Erfahrungen, die sich an einen kleinen, aber wachsenden Nischenmarkt wohlhabender Besucher richtet. So kann man etwa im Opernhaus von Sydney bei einer Vorstellung mitmachen – vor bezahlendem Publikum – oder in Tasmanien mit David Walsh dinieren und Tennis spielen, einem der bekanntesten Millionäre Australiens und Gründer des spektakulären Museums MoMA.

Selbstbuchen ist attraktiv – bis etwas schiefläuft

Auch für die Schweizer Einkäufer bleibt Australien ein Traumland. Das Geschäft läuft gut – und das könnte auch in einem härteren politischen Umfeld so bleiben. «Ich glaube nicht, dass dieser Kontinent von der wachsenden Kritik am Fliegen zu sehr betroffen sein wird», sagt Marco Russo von Nova Tours mit Blick auf die zunehmenden Forderungen nach einer Reduktion der Flugbewegungen mit dem Ziel, dem Klimawandel entgegenzusteuern. «Denn es gibt schliesslich keine Alternative zum Flugzeug, um nach Australien zu kommen. Ausser natürlich ein Kreuzfahrtschiff.» So dürften Reisende eher auf das Fliegen in Europa verzichten und auf die Bahn umsteigen, bevor sie den Australientraum aufgeben, meint Russo.

Wenn sie den Traum dann verwirklichen, erlebt der Fachmann einen weiteren neuen Trend: «Selbst junge Kunden kommen heute wieder ins Reisebüro, um sich beraten zu lassen». Selbstbuchungen etwa bei einer Airline oder einem anderen Anbieter seien zwar attraktiv, «bis etwas schiefläuft – etwa, wenn man in der Dusche ausrutscht. Dann greifen gerade die Schweizer gerne auf die Chance zurück, mich anrufen und um Hilfe bitten zu können.»