Destinationen

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Das Interesse der Medien an der ITB war riesig: Moderator Kai Böcking (l.), Anette Wendel-Menke (Direktorin Zentraleuropa, Hongkong Tourism Board, 3.v.l.), Anthony Lau (Executive Director, Hongkong Tourism Board, 3.v.r.), Cheng Wai-Tong (Deputy Director Macao Tourism Board) und zwei Damen aus Guangdong zelebrieren in Berlin die Schaffung der Greater Bay Area. Bild: JCR

Aus Drei mach Eins

Hongkong stärkt seine internationale Wettbewerbsfähigkeit durch den Zusammenschluss mit anderen Städten der Region zu einer «Weltklasse-Tourismusdestination».

An der ITB stellte sich die «Greater Bay Area» (GBA) erstmals gemeinsam vor. Zu dieser gehören die chinesischen Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macao sowie neun Städte der nahe gelegenen Provinz Guangdong – bekannte Städte wie Guangzhou, Shenzhen, Zhuhai oder Foshan, dazu weniger bekannte wie Huizhou, Dongguan, Zhongshan, Jiangmen und Zhiaoqing.

Die Schaffung der «Greater Bay Area» als wirtschaftliches und touristisches Kooperationsprojekt geht auf eine chinesische Initiative im Rahmen eines Fünfjahres-Masterplans zurück, welcher eine «Öffnung» vorsieht – und nicht etwa eine engere Anbindung der Sonderverwaltungszonen, wie da und dort vermutet wurde. Beispiel: Die Einreise nach Hongkong und Macao bleibt visumsbefreit und für Guangdong gibt es schon seit längerem eine 144-Stunden-Visumsbefreiung für Reisende aus 53 Ländern – darunter der Schweiz. Anthony Lau, Executive Director des Hongkong Tourism Boards, hielt deshalb an der Präsentation fest: «90 Prozent der Reisenden nach Hongkong bereisen nicht nur die Stadt selbst, sondern mehrere Destinationen. Dieses Projekt will es ihnen erleichtern, auch die nahe gelegenen Attraktionen von Macao und der Proving Guangdong näher zu bringen.»

Weltweit identifiziert Lau nur vier solche «Städte-Clusters», welche sich gemeinsam vermarkten: Die Bay Area von San Francisco, der Grossraum New York und die Greater Tokyo Bay. Mit der chinesischen «Greater Bay Area» gesellt sich nun ein vierter Cluster hinzu, welcher mit 56‘000 Quadratkilometern und 70 Millionen Einwohnern auch gleich der Grösste ist, und mit einer Wirtschaftsleitung von umgerechnet 1,5 Billionen Franken aktuell zwar die Cluster-Konkurrenten noch nicht übertreffe, dies aber bis 2025 erreicht haben will.

Die Gemeinsamkeiten besser ausnutzen

Der Aufbau der Greater Bay Area war durch die Existenz des Prinzips «Ein Land, zwei Systeme» trotz drei Zollzonen und drei Währungen möglich. Weltweit gibt es keinen solchen Präzedenzfall; Hongkong soll nun eine «core demonstration zone for multi-destination tourism» werden, wie es Lau ausdrückt.

Diverse Megaprojekte zu diesem Zweck hat die GBA bereits umgesetzt – wir haben beispielsweise schon über die am 24. Oktober 2018 eröffnete Hongkong-Zhuhai-Macao Bridge berichtet. In Ausarbeitung ist zudem der Guangzhou-Shenzhen-Hongkong Express Rail Link, eine Hochgeschwindigkeits-Zugverbindung, welche die Städte enger aneinander binden wird. Auch auf dem Flugweg ist die Region extrem gut an die Welt angebunden – natürlich hauptsächlich via Hongkong, wohin 120 Airlines aus über 220 Destinationen mit 1200 täglichen Flügen operieren, aber verstärkt auch von Flughäfen der Provinz Guangdong. Es gibt ja beispielsweise bereits Flüge von Zürich nach Shenzhen.

Die enge Anbindung der Städte der GBA-Grossregion ist also kein künstlicher Zusammenschluss, sondern ein natürlicher. «Wir haben grossen britischen kolonialen Einfluss gemein, dazu sprechen wir alle denselben kantonesischen Dialekt, aber unterscheiden uns dennoch kulturell deutlich voneinander», erklärt Lau. Die «Pearl River Region», wie sich die GBA etwas weniger technokratisch auch gerne nennt, bietet touristisch unheimlich viel. Lau nennt nebst den bekannten Attraktionen von Hongkong und Macao vor allem die kantonesische Küche, aber auch das enorme Entertainment-Angebot – darunter etwa mit Themenparks von Walt Disney oder Planet J.

Die nächste Aufgabe wird sein, gemeinsam zu investieren und mit den Trade-Partnern neue Rundreisen durch die GBA zu erstellen. Das Ziel ist klar: Reisende sollen länger in der Region bleiben. Dafür will man ihnen eine grosse «World Class Destination» anbieten.

(JCR)