Destinationen

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Sonnenuntergang in Paris: Offenbar könnte die Sonne auch für zahlreiche Mitarbeitende von Atout France weltweit untergehen. Bild: Pixabay

Jetzt geht es Atout France an den Kragen

Eine Budgetrevision bei diversen Ministerien in Frankreich wird höchstwahrscheinlich dazu führen, dass auch die globalen Budgets von Atout France, der französischen Zentrale für Tourismus, massiv nach unten revidiert werden. Inwiefern auch das langjährige Büro in Zürich betroffen sein könnte, lässt sich noch nicht sagen.

Frankreich ist das meistbesuchte Land der Welt: Im Jahr 2017 wurden 87 Millionen internationale Touristen empfangen, 2018 geschätzt bereits 90 Millionen. Die französische Regierung hat letztes Jahr das Ziel definiert, im Jahr 2020 bereits 100 Millionen Besucher zu empfangen und dank diesen rund 60 Milliarden Euro einzunehmen. Ein wichtiges Vehikel, um dieses Ziel zu erreichen, ist Atout France, also das französische Fremdenverkehrsbüro. Dieses verfügt aktuell über 32 Niederlassungen weltweit und dessen Hauptaufgabe besteht darin, die vielen französischen Tourismusdestinationen in ihrer Strategie und Entwicklung zu unterstützen und zu begleiten.

Nun aber könnte die französische Regierung den eigenen Tourismus-Plänen einen dicken Strich durch die Rechnung machen. Die Regierung hat offiziell einen Plan zur Kostenkürzung bei den Staatsausgaben in Höhe von 10 Milliarden Euro definiert. Dessen Inhalte sind allerdings nicht im Detail bekannt. Jedenfalls kursieren seit Wochen Gerüchte, wonach das Budget des Aussenministeriums - welchem auch das Tourismusministerium und damit auch Atout France unterstellt sind - um bis zu 10 Prozent gekürzt werden könnte. Dass Atout France betroffen sein könnte, liegt in der Luft.

Nun hat aber offenbar ein Ministeriumsdokument, dessen Inhalt irrtümlicherweise publik geworden ist, für blanke Panik bei den Büros von Atout France weltweit gesorgt, wie «L'Echo Touristique» rapportiert. Der Inhalt des Dokuments hat es nämlich in sich: Offenbar soll die globale Salärmasse von Atout France bis 2020 um ein Drittel reduziert werden. Darüber hinaus könnte auch Business France (eine französische Geschäftspromotionsagentur) massiv betroffen sein. Die Reduktion der Budgets um mehrere Millionen Euro soll auf Ministerstufe bereits beschlossene Sache sein. Das hätte mit grosser Wahrscheinlichkeit die Schliessung von mehreren der 32 Büros weltweit zur Folge, und möglicherweise auch eine Personalreduktion bei den verbleibenden Büros.

Kein Kommentar aus Zürich

Atout France, rechtlich gesehen eine  öffentliche Interessenvereinigung des französischen Fremdenverkehrssektors, steht nun offenbar eine Sitzung auf höchster Ebene bevor, in welcher die Ministeriumsentscheide anerkannt und danach konkrete Massnahmen zur Umsetzung entwickelt werden müssen. Somit ist es zu früh für Spekulationen um die Zukunft des Büros von Atout France in Zürich. Zur Erinnerung: Im Büro von Atout France am Zürcher Rennweg arbeiten derzeit sechs Personen; der Chefposten ist seit Januar 2019 vakant bzw. wird ad interim von Frédéric Meyer, der Südeuropa von Mailand aus betreut, wahrgenommen. Marion de Gorter, Presseverantwortliche bei Atout France in Zürich, wollte zu diesem Zeitpunkt keine Stellung zu diesem Thema nehmen, hält aber fest, dass Atout France hierzulande bis auf Weiteres normal weiter arbeitet.

Ob mit den Budgetreduktionen die hochgesteckten touristischen Ziele noch erreicht werden können, lässt sich jedenfalls schwer abschätzen. Sicher ist, dass der globale Konkurrenzkampf um Touristen immer härter wird. Wie dieser aber geführt wird, das entscheiden die jeweiligen (zumeist staatlichen) Stellen auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Gerade in der Schweiz haben schon viele «herkömmliche» Fremdenverkehrsämter in den letzten Jahren ihre Büros stillgelegt - die touristische Promotion erhielt dadurch zwar in der Regel merkliche Einbussen, die Besucherzahlen aus der Schweiz indes nicht in jedem Fall. Wie es nun bei Atout France weiter geht, bleibt also eine «affaire à suivre».

(JCR)