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Noch immer locken billiger Alkohol und tagelanges Feiern viele Junge nach Mallorca. Doch die Baleareninsel hat endgültig genug – und will künftig noch härter durchgreifen: Nicht bei den Reisenden, sondern bei den Anbietern. Bild: Adobe Stock

Mallorca würde den Alkohol am liebsten schon im Flugzeug verbieten

Trotz diverser Massnahmen sterben weiterhin alljährlich Mallorca-Gäste – vor allem Jugendliche – wegen übermässigem Alkoholkonsum. Im Rahmen einer Krisenkonferenz wurden diese Woche auf Mallorca deswegen radikale Massnahmen diskutiert.

Dass sich Mallorca zunehmend von seinem Image als Party-Insel distanzieren will, ist hinlänglich bekannt. Seit drei Jahren gibt es für exzessive Saufgelage an der Playa de Palma Bussgelder, gegen den freien Alkoholausschank in All-Inclusive-Hotels wird auch schon vorgegangen. Genützt hat es bislang wenig: Noch immer kommen jeden Sommer Tausende vorwiegend junge Partywütige auf die Insel, um sich tagelang wilden Partys hinzugeben. Ermöglicht wird dies durch ein weiterhin immenses Angebot an günstigem Alkohol.

Im Angebot sind beispielsweise Pakete, die freien Alkoholzugang während 20 Stunden bieten. Andere Lokale locken mit 2-für-1-Drinks bereits morgens um 10 Uhr. Die Konsequenz der daraus resultierenden Exzesse sind immer wieder tragische Unfälle oder gar Todesfälle – im letzten Jahr waren es sieben – welche stark mediatisiert werden und dem Image von Mallorca oder auch anderen (Balearen-)Inseln wie Ibiza schaden. Weil das Problem also immer noch nicht im Griff ist, kam es diese Woche in Palma zu einer Ganztageskonferenz, an welcher 80 Akteure aus dem lokalen und internationalen Tourismusgeschäft sowie aus der Politik über weitere Massnahmen gegen den «Alkoholtourismus» debattierten.

Das übergeordnete Ziel der Konferenz war, eine Art «Whitepaper» zu erstellen, welches nach Brüssel geschickt wird möglicherweise EU-weit zu neuen Massnahmen führen würde. Nebst der Balearen-Präsidentin Francina Armengol und ihrer Stellvertreterin Bel Busquets war an der Konferenz etwa auch die schwedische EU-Repräsentantin Ewa-May Karlsson präsent, welche erklärte, dass nationale Regierungen europaweit das Problem des exzessiven Alkoholkonsums, insbesondere bei Juendlichen, regulatorische ausblenden und damit regionale und lokale Ämter, wie etwa in Palma oder Magaluf, mit dem Problem sich selber überlassen.

Das Übel bei der Wurzel packen

Obwohl die «Partytouristen» nur eine Minderheit des gesamten Besucheraufkommens auf den Balearen ausmachen – dieses betrug letztes Jahr übrigens 16 Millionen Reisende, bei einer Bevölkerung von 1,1 Millionen Personen – so sind diese gut sichtbar und für das Image der Insel schlecht. So weit der Konsens. Nun gehe es darum, das Problem nicht mehr mit Massnahmen nur vor Ort, sondern eben auf europäischer Ebene sowie auch bei Transporteuren anzugehen.

Konkret: Es werden Massnahmen bereits von Flughäfen und Airlines gefordert. Die Probleme beginnen aus Sicht von spanischen Sicherheits-Repräsentanten nämlich schon bei der Reise, mit übermässigem Alkoholkonsum schon am Heimflughafen und dann im Flugzeug. Airlines werden dem nicht widersprechen, gibt es doch jedes Jahr zahlreiche Zwischenfälle mit alkoholisierten Passagieren. Die Frage ist aber, ob ein Alkoholverbot an Bord aus finanziellen Überlegungen akzeptiert wird und ob so etwas politisch überhaupt durchsetzbar wäre. Der spanische Polizeiinspektor José Maria Manso meinte während der Konferenz nicht zu Unrecht, dass es eigentlich möglich sein müsste, für die Dauer der Flugreise auf Alkohol zu verzichten – so wie man inzwischen auch auf Zigaretten während dem Flug verzichten muss. In praktisch allen Flugzeugen und sehr vielen Flughäfen gelten Rauchverbote, warum also nicht auch Alkoholverbote?

Gezielt wird aber auch auf Reiseveranstalter, welche vor allem in Grossbritannien und Deutschland dreitägige «Fiestas» auf den Balearen und anderswo zum Sonderpreis anbieten und so finanziell eher schwächere Gruppen wie eben Jugendliche zu «Saufreisen» animieren. Auch da wurde diskutiert, ob es Möglichkeiten gibt, solche Angebote auf dem Gesetzesweg einzuschränken. Ansonsten wollen sich die Balearen weiterhin auf Bewusstseins-Kampagnen konzentrieren und durch eine touristische Promotion, die auf Natur oder Kultur abzielt, dem Partytourismus auf die Dauer Wind aus den Segeln nehmen. Kurzfristig wollen man auch weiterhin an der Einhaltung der Gesetzgebung hinsichtlich den Alterbeschränkungen beim Alkoholausschank arbeiten - auch die Schweiz hat hiermit bekanntlich so ihre Probleme – und möglicherweise eine Preisuntergrenze für Alkoholika einführen. Auch ein Verbot von «Happy Hours» wird erwägt.

Welche konkreten Forderungen im Whitepaper eingebracht werden, ist aktuell unklar. Ebenso unsicher ist, ob dies etwas in Brüssel bewirken wird. die grosse Teilnehmerzahl an der Konferenz hat jedoch gezeigt, dass man auf den Balearen und anderswo in Europa ernsthaft gewillt ist, dem exzessiven Sauftourismus den Garaus zu machen.

(JCR)