Destinationen

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Einen Ort besuchen, ohne im Gedränge der Touristen unterzugehen? Ein Foto machen, ohne dass jemand ins Bild platzt? Es ist noch möglich, wie etwa hier in den Bergen Georgiens vor der Gergeti Dreifaltigkeitskirche. Bild: Sylwia Bartyzel

Endlich mal abseits der Touristenpfade

Barcelona, Florenz, Paris – der nächste Tourist rempelt einem an. Doch es gibt sie noch, die Orte in Europa, welche nicht von Touristen überrennt werden und definitiv einen Besuch wert sind. Wir stellen zehn interessante Reiseziele vor.

Sich an heissen Sommertagen ein Glacé gönnen, ohne eine halbe Ewigkeit anstehen zu müssen? In aller Ruhe die Kamera aus der Tasche nehmen und ein gelungenes Foto machen? In vielen europäischen Städten ist dies zur Unmöglichkeit geworden, da der Overtourism Überhand genommen hat. Doch Reisen abseits der Touristenströme ist noch möglich. Wir stellen zehn Destinationen in Europa vor, welche von den Touristenmassen verschont geblieben sind und zu Unrecht unterschätzt werden.

Albanien: Ksamil

Albanien – ein komplett unterschätztes Reiseziel. Das Balkanland überzeugt mit schönen Stränden, wilden Landschaften und herzlichen Gastgebern. Wer Badeferien machen will, ohne sich wie in einer Sardinenbüchse zu fühlen, ist in Ksamil genau richtig. Ksamil ist einer der schönsten Badeorte und liegt im Süden Albaniens. Grosse Hotelketten sind bisher an diesem malerischen Ort vorbeigezogen, sodass sich preiswerte Hotels und Guesthouses finden lassen, die für ein familiäres Ambiente sorgen. Vier Kilometer südlich von Ksamil liegen die Ruinen der antiken Stadt Butrint, welche zum Weltkulturerbe zählt. Auch ein Nationalpark mit schöner Landschaft gibt es in der Nähe zu bewundern.

Ausreichend Platz am Strand und in Ruhe entspannen? Ab nach Ksamil! Bild: Polina Rytova

Portugal: Faro

Die schönen Strände der Algarve im Süden Portugals sind ein beliebtes Ferienziel. Die Gäste kommen am Flughafen in Faro an und reisen sogleich weiter nach Lagos, Albufeira oder Sagres. Die kleine Stadt Faro wird jedoch zu Unrecht ausser Acht gelassen. Gemütlich durch die historische Altstadt schlendern? Bei einer günstigen Tasse Kaffee den Geschichten der Bewohner lauschen? In Faro geht das Leben noch gemächlich zu und her. Ein Highlight ist der nahe gelegene Naturpark Rio Formosa mit seiner Lagunen- und Wattlandschaft. Zudem ist Faro ein guter Ausgangspunkt, um die Algarve mit dem Mietauto oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erkunden.

Faro ist das administrative Zentrum der Algarve. Bild: ron24537

Griechenland: Vikos-Schlucht

Für Reisende, die gerne aktiv sind und die Natur lieben, ist die Vikos-Schlucht in Griechenland ein ideales Reiseziel. Die tiefste Schlucht der Welt befindet sich im Pindos Gebirge im Norden Griechenlands und ist mit dem Auto in drei bis vier Stunden von Thessaloniki aus zu erreichen. Bei einer Wanderung durch das Gebirge kommt man immer wieder an Aussichtspunkten vorbei, die den Blick auf das eindrückliche Panorama freigeben. Die Schlucht kann bei einer Kayak-Tour auch von einer anderen Perspektive wahrgenommen werden. Sogar Klettern in den Kalksteinwänden ist dort möglich. Wer sich auf ein Abenteuer in der Vikos-Schlucht begibt, sollte sich einen Abstecher zu den Brücken Missios und Plakidas nicht entgehen lassen.

Die tiefste Schlucht der Welt befindet sich in Griechenland. Bild: Biedermann

Italien: Bologna

Auch die älteste Universitätsstadt Italiens ist einen Besuch wert. Bologna bietet zwar keinen Zugang zum Meer, überzeugt aber mit Kunst, Kultur und kulinarischen Köstlichkeiten. Bei einem Spaziergang durch die gut erhaltene Altstadt fühlt man sich für einen Moment zurück in der Vergangenheit. Nach wie vor leben viele Studenten aus aller Welt in Bologna und so vermischen sich verschiedene Kulturen und Szenen in dieser einzigartigen Stadt. Unzählige Restaurants, Cafés, Bars, kleine Shops, Gallerien und Vintage-Läden sind unterwegs anzutreffen und laden zum Verweilen ein. Vor allem abends herrscht in den Strassen und auf der Piazza ausgelassene Stimmung. Wer das Geschehen von oben beobachten möchte, muss nur den Torre degli Asinelli hinaufsteigen.

Vom Torre degli Asinelli aus hat man einen guten Blick über die historische Altstadt Bolognas. Bild: Bogdan Dada

Rumänien: Hermannstadt

Hermannstadt – die rumänische Stadt mit einer Geschichte, die 900 Jahre alt ist. 2007 war Hermannstadt, auch Sibiu genannt, zusammen mit Luxemburg die europäische Kulturhauptstadt. Die Innenstadt gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und bezeugt, wie reich die Stadt an Geschichte und Kultur ist. Hermannstadt hat eine multikulturelle Küche anzubieten und sieht gute Chancen, in diesem Jahr den Titel "Europäische Gastronomieregion" zu erhalten. Jährlich finden über hundert verschiedene Kulturveranstaltungen sowie das drittgrösste Theaterfestival Europas statt. Eine Stadt, die bei jedem Besuch etwas Neues zu entdecken bietet.

Das Zentrum von Hermannstadt gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Bild: tudor44

Georgien: Tiflis

Die georgische Hauptstadt hat mehr zu bieten, als manch einer denkt. Die Stadt vereint Geschichte und Moderne und lädt zum Entdecken ein. Lässt man sich durch die Gassen der Altstadt treiben, spürt man den Geist des Zerfalls und doch kann man erahnen, wie herrlich diese Stadt einmal war. Vorbei an den Schwefelbäder gelangt man nach Neu-Tiflis, wo man auf prachtvolle Häuser aus dem 19. Jahrhundert trifft. Mit einer Gondelfahrt kommt man hoch auf den Narikala Hügel, wo eine Festung und ein Botanischer Garten besucht werden können. Der Blick auf die Stadt verdeutlicht, welcher Kontrast die Stadt in sich vereint. Auch bei Nacht ist viel zu erleben: Die Vielfalt an Bars und Clubs bietet für jeden Geschmack etwas. Zudem eignet sich Tiflis ideal als Ausgangspunkt für eine Entdeckungsreise durch Georgien.

Der Kontrast zwischen Geschichte und Moderne wird vom Hügel aus deutlich sichtbar. Bild: katarzynajavaheri0

Niederlande: Giethoorn

Giethoorn – das holländische Venedig. Nur viel kleiner, und viel weniger Touristen. In diesem einzigartigen Dorf leben nicht einmal 3000 Menschen und Strassen oder Autos gibt es dort auch nicht. Kleine Kanäle, bunte Vorgärten und Backsteinhäuser zieren das Landschaftsbild. Giethoorn ist der perfekte Ort, um vor dem Alltagsstress zu fliehen und sich einfach zu entspannen. Wer sich eine Auszeit in diesem malerischen Dorf gönnen will, findet auf Airbnb günstige Unterkünfte. Als Highlight kann sogar in einem Baumhaus übernachtet werden. Griethoorn befindet sich 75 Minuten von Amsterdam entfernt und ist definitiv einen Besuch wert.

In diesem holländischen Dorf gibt es weder Strassen noch Autos. Bild: PublicDomainPictures

Färöer Inseln

Die Färöer Inseln laden zum Entdecken und Verweilen ein. Die 18 unterschiedlich grossen Inseln liegen zwischen Island, Norwegen und Schottland und gehören zu Dänemark. Genannt werden sie auch die Schafsinseln, da doppelt so viele Schafe wie Menschen auf den Inseln leben. Zwischen April und September kann man die Inseln bequem mit dem Auto auskundschaften. Einige Inseln sind durch unterirdische Tunnels verbunden, ansonsten kann die Fähre genutzt werden. Diese einzigartige Naturkulisse mit Fjorden, malerischen Dörfern und grünen Hügeln sollte man sich nicht entgehen lassen.

Auf den Färöer Inseln sind doppelt so viele Schafe wie Menschen zuhause. Bild: Rav_

Schottland: Lewis and Harris

Wie in einem Schottischen Märchen, so fühlt sich ein Aufenthalt auf der grössten Insel Schottlands an. Strände wie in der Karibik, jede Menge Schafe und ein Gefühl, als ob die Zeit stehen geblieben wäre – das gehört auf der Insel Lewis and Harris zum Alltag. Die Temperaturen sind zwar eher weniger karibisch, dafür bietet Lewis and Harris eine unglaubliche Kulisse mit weissen Sandstränden, türkisblauem Wasser, kargen Hügellandschaften und spektakulären Klippen, an denen sich die Wellen brechen. Erreichbar ist die Insel ab Edinburgh in einem kleinen Propellerflugzeug, welches etwa Platz für 70 Passagiere hat.

Nicht nur in der Karibik gibt es weisse Sandstrände zu finden. Bild: Adobe

Frankreich: Verdonschlucht

Die Verdonschlucht – der französische Grand Canyon mitten in der Provence. Bei einer Reise nach Südfrankreich ist ein Abstecher in diese einzigartige Schlucht ein Muss. Sowohl der Stausee mit dem türkisblauen Wasser als auch die Schlucht selbst bieten Besuchern eine Vielzahl von Aktivitäten. Die unberührte Natur lädt zum Wandern und Picknicken ein und wer mehr auf Action steht, kann eine Wildwasser-Kajak-Tour unternehmen. Auch Aktivitäten wie Bungee-Jumping, Paragliding oder Drachenfliegen sind dort möglich. Rund um die Schlucht von Verdon herum befindet sich der Regionale Naturpark mit eindrücklichen Landschaften.

Das türkisblaue Wasser lädt zu einer Kajak-Tour durch den französischen Grand Canyon ein. Bild: Noel Bauza

(NAB)