Cruise

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Nicht immer geht es auf den Kreuzfahrtschiffen friedlich zu und her. Bild: Pixabay.

Schauplatz Kreuzfahrtschiff: An Bord kann vieles passieren

Nicht nur Suizide kommen auf Kreuzfahrten vor, jedes Jahr passieren auch Morde und andere Straftaten auf hoher See.

Aktuell ist der traurige Fall Daniel Küblböck in aller Munde: Der 33-jährige soll am 9. September 2018 absichtlich von Bord der AIDAluna gesprungen sein. Die Suche nach ihm wurde nun offiziell eingestellt. Er steht somit auf der Liste der verschollenen Kreuzfahrtpassagieren – und die ist länger als man vermuten mag.

Verschiedene Internetportale wie internationalcruisevictims.org oder cruiseshipdeaths.com befassen sich mit Vorfällen auf Kreuzfahrtschiffen, bei denen Passagiere verletzt oder getötet wurden, sich selbst das Leben nahmen oder unabsichtlich über Bord gegangen und nie wieder gefunden wurden. Kendall Carver gründete die International Cruise Victims Organisation nachdem seine eigene Tochter im Jahr 2004 während einer Kreuzfahrt mit einer amerikanischen Reederei spurlos verschwand.

Mord an Bord

Neben den Passagieren, die über Bord gehen und nur in Ausnahmefällen wieder lebend gefunden werden, geschehen auf Kreuzfahrtschiffen auch immer wieder Morde. So tötete Kenneth Manzanares im Juli 2017 seine Ehefrau Kristy (39) auf der «Emerald Princess». Ein Bekannter fand Kenneth Manzaners in der Kabine, als er gerade dabei war, seine blutverschmierte Frau in Richtung Balkon zu zerren. Er wollte sie offenbar über Bord werfen, konnte aber in letzter Minute gestoppt werden. Für die Frau kam jede Hilfe zu spät, sie verstarb an ihren schweren Kopfverletzungen.

Ein anderes Beispiel: Am 19. Januar 2018 wurde Tamara Tucker (50) tot auf Deck 11 der «Carnival Elation» aufgefunden. Sie fiel von Deck 14. Jetzt wurde ihr langjähriger Freund, Eric Newman, des Mordes beschuldigt – er wollte offenbar den Körper seiner Partnerin im Meer entsorgen.

Aber auch die «MSC Magnifica» wurde aller Wahrscheinlichkeit nach im Februar 2017 Schauplatz eines Mordes. Ein Deutscher checkte nach einer 10-tägigen Mittelmeer Kreuzfahrt ohne seine Ehefrau, aber mit den beiden gemeinsamen Kindern aus. Er hatte seine Frau nicht als vermisst gemeldet, die Crew war sich aber sicher, dass sich die Frau nicht mehr an Bord befand. Der Mann sitzt seitdem in Italien in Untersuchungshaft. Von der Frau fehlt seitdem jede Spur. Der Mann wird beschuldigt, die Frau getötet und ihren Körper danach in einen Koffer gepackt und über Bord geworfen zu haben. 

Sexuelle Übergriffe und Diebstähle auf hoher See

Tötungsdelikte sind nicht die einzigen schweren Verbrechen an Bord von Kreuzfahrtschiffen. Im Jahr 2017 meldete die US-Bundesbehörde insgesamt 106 Straftaten auf Kreuzfahrtschiffen. Darunter 76 sexuelle Übergriffe, 13 schwere körperliche Übergriffe, acht Diebstähle von mehr als 10'000 US-Dollar und zwei Entführungen.

Ein Blick auf die jüngste Statistik des US Department of Transportation zeigt, dass alleine zwischen 1. April 2018 und 30. Juni 2018 zwei Vermisstenmeldungen von US-Bürgern auf Kreuzfahrtschiffen eingegangen sind, ausserdem kam es dreimal auf Kreuzfahrtschiffen zu Diebstählen von Beträgen über 10‘000 Dollar und 23-mal gingen Meldungen wegen sexueller Übergriffen auf einem Kreuzfahrtschiff ein, davon betrafen sechs Fälle Crew-Mitglieder.

Wie der Kreuzfahrt-Experte Wolfgang Gregor im Jahr 2017 gegenüber SRF sagte, werden solche Sexual-Delikte gerade bei Crew-Mitgliedern gerne kaschiert. Oftmals würde noch nicht einmal der Kapitän informiert, sondern der Fall ende meist beim Personalchef. Die Frau erhalte dann eine Geldsumme und müsse ein Schreiben unterzeichnen, dass ihr Schweigen sicherstelle. Der Täter müsse im nächsten Hafen das Schiff verlassen.

Kriminalität an Bord prozentual höher als an Land

Aber warum kommt es ausgerechnet auf Kreuzfahrschiffen, die ja eigentlich Spass und Abenteuer versprechen, immer wieder zu solchen Vorfällen? Gemäss Studien des kanadischen Soziologen Ross Klein ist die Kriminalität auf Kreuzfahrtschiffen prozentual höher als an Land. Laut Experten spielt Alkohol dabei eine grosse Rolle. Aber auch die Tatsache, dass Menschen eher bereit zu einem Mord sind, wenn sie wissen, dass sie sich der Leiche entledigen können. Und auf offener See geht das leichter als an Land. Wie der Fall Küblböck zeigt, ist es schon fast unmöglich, eine über Bord gegangene Person auf dem Meer wiederzufinden, auch wenn man die ungefähre Sprungstelle kennt. Bei einem Mord weiss man in der Regel nicht, wann er geschah und wo die Leiche über Bord geworfen wurde. 

Reedereien wie die MSC setzten seit Kurzem auf die Wärmebild-Technologie. Damit sichert MSC nonstop die relevanten Aussenbereiche des Schiffes. Die Bilder werden in Echtzeit in das Sicherheitszentrum übertragen und dort zusammen mit allen anderen Daten ausgewertet. So soll bei «Mann über Bord» noch schneller und präziser eingegriffen werden können. Laut dem im Jahr 2010 von der International Cruiseship Victims Organisation angestrebten und vom US-Kongress verabschiedeten «Cruise Vessel Security and Safety Act» sind alle Reedereien, deren Schiffe einen US-Hafen ansteuern verpflichtet, eine Videoüberwachung an Bord zu haben. Ausserdem müssen Reedereien vermisste Passagiere innert vier Stunden melden. 

Laut Aufzeichnungen von Ross Klein sind seit dem Jahr 2000 insgesamt 315 Passagiere während einer Kreuzfahrt verschwunden. Pro Jahr sollen es sogar 20 Personen sein, die nie wieder von einer Kreuzfahrt zurückkehren. 

(LVE)