Cruise

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Hotelzimmer auf See: So wird es auf der Ritz-Carlton Yacht aussehen. Welche Hotelmarke von Marriott wird ebenfalls in See stechen? Bild: Ritz-Carlton

Gibt es bald wieder Renaissance-Kreuzfahrten?

Mit der Marke Ritz-Carlton ist der Einstieg ins Kreuzfahrtgeschäft längst beschlossen. Offenbar will Marriott aber noch weitere Hotelmarken zu Kreuzfahrtmarken erweitern. Eine der Hotelmarken wäre gut geeignet.

Das Kreuzfahrtgeschäft boomt – und weckt damit Begehrlichkeiten. Wer bereits über eine starke Marke und das nötige Kleingeld verfügt, versucht, sich Marktanteile an diesem wachsenden globalen Markt zu sichern. Gerade Hotelketten, insbesondere im Luxussegment, mischen mit. Four Seasons etwa verfügt bereits über eigene Schiffe, während die zum Marriott-Konzern gehörende Hotelkette Ritz-Carlton per 2020 ihren Einstieg ins Luxus-Cruise-Business bekannt gegeben hat.

Aktuell hat Ritz-Carlton drei Schiffe mit jeweils 149 Suiten in Auftrag; seit dem 11. Juni sind Kreuzfahrten bereits buchbar. Wie CEO Douglas Prothero gegenüber «TTG» erklärt, überlege man sich, «insgesamt sieben oder acht Schiffe» zu betreiben, wobei theoretisch mehr möglich wären: «Selbst wenn wir 15 Schiffe bauten, wären wir in der Lage, diese zu füllen», so Prothero, «aber das werden wir nicht tun, weil wir dann kein Nischenprodukt mehr wären.» Mit anderen Worten: Man will bloss nicht in dieselbe Ecke gesteckt werden wie die «Massen-Cruise»-Anbieter.

Diese werden bei anderen Dingen kopiert. Etwa werde Ritz-Carlton Cruises ein App entwickeln, welche auf RFID-Technologie setzt, und worüber dann Gäste ihre Kabinentüre öffnen, Exkursionen buchen oder Essen bestellen können – ähnlich wie das Princess-Gäste mit dem «Ocean Medallion» oder MSC-Gäste mit «MSC for me». Und natürlich wird auch Ritz-Carlton auf Einwegplastik und Trinkröhrli verzichten, wie das nun alle Image-, pardon, umweltbewussten Unternehmen tun.

Welcher Brand kommt zum Zug?

Was aufhorchen lässt, ist allerdings die Aussage von Prothero, dass Marriott International offenbar plant, mit weiteren Marken ins Kreuzfahrt-Business einzusteigen. Zwar gibt es nicht bekannt, um welche es gehen soll, lässt aber durchblicken, dass es keine weitere Luxusmarke wäre, welche Ritz-Carlton quasi konkurrenzieren würde, und dass man keine kleineren Schiffe (als jene 149-Suiten-Schiffe von Ritz-Carlton) bauen werde.

Klingt nach bereits recht konkreter Planung. Mittelgrosse Schiffe, vielleicht unter einem Mittelklasse-Brand? Da würde man sich bereits im Bereich der «Massenprodukte» bewegen... Entfernt man die Luxusmarken (Ritz-Carlton, St. Regis, JW Marriott, Luxury Collection, Bulgari, W, Edition) aus dem Portfolio von Marriott International, bleiben noch «Premium»- oder «Select»-Marken. Am bekanntesten hierbei sind zentrale Brands wie Marriott, Sheraton, Westin oder Renaissance. Zurzeit etwas weniger bekannt bzw. verbreitet sind Marken wie Gaylord, SpringHill Suites, Four Points, Protea, Fairfield Inn, AC Hotels, Aloft, Moxy oder Residence Inn. Auf der Hand läge wohl einer der zentralen Brands, oder einer der neueren Lifestyle-Brands wie Moxy. Eigentlich auf der Hand läge sicherlich Renaissance: Von 1989 bis 2001 gab es bereits eine Reederei namens Renaissance Cruises, welche mit mittelgrossen Schiffen recht erfolgreich operierte, aber nach dem Golfkrieg und 9/11 Bankrott ging – an diese liesse sich im Prinzip nahtlos mit der Hotelmarke Renaissance anknüpfen, sofern man die Markenrechte für Renaissance Cruises hält.

Das ist zugegebenermassen noch pure Spekulation. Klar ist nur, dass der Markentransfer, der früher Hotels betraf – wie z.B. die Schmuckmarke Bulgari auch zur Hotelmarke unter dem Marriott-Dach wurde – nun auch vermehrt im Kreuzfahrtbusiness Einzug hält.

(JCR)