Cruise

Fotolia_Cruise_Phone2.jpg
An Bord von Kreuzfahrtschiffen sollte man das Handy auf Flugmodus stellen oder zumindest das Roaming deaktivieren. Bild: Fotolia

Handy auf Kreuzfahrt? Vorsicht, Kostenfalle!

Von Franz Neumeier

In der EU fallen die Roaming-Gebühren. Doch nicht auf hoher See! Die teuren Satelliten-Verbindungen an Bord der Kreuzfahrtschiffe unterliegen auch innerhalb Europas nicht der EU-Roaming-Verordnung.

Wer auf einer Kreuzfahrt Roaming am Mobiltelefon nicht deaktiviert und nichts ahnend drauflos telefoniert, hat schnell eine Rechnung von mehreren hundert Euro zusammen. Man merkt in der Regel nämlich gar keinen Unterschied, das Handy funktioniert auch auf hoher See problemlos. Doch die Gebühren sind immens, weil die Gespräche über teure Satelliten-Verbindungen laufen. Auch die bisherige EU-Kostendeckelung von knapp 60 Euro gibt es hier nicht.

Der einfache Tipp lautet daher: An Bord von Kreuzfahrtschiffen sollte man das Handy auf Flugmodus stellen oder zumindest das Roaming deaktivieren. Das gilt übrigens auch für Daten-Roaming. Zudem sollte man die Mailbox ausschalten. Durch die hohen Gebühren für eingehende Gespräche lauert hier sonst eine weitere Gebührenfalle.

Selbst wenn das Kreuzfahrtschiff beispielsweise im Mittelmeer nur innerhalb Europas unterwegs ist: So lange es auf See ist, greifen die EU-Regelungen nicht. Das gilt auch dann, wenn das Schiff unter der Flagge eines EU-Staates wie Italien, Malta oder Niederlande fährt, also unter anderen bei Costa, AIDA, TUI Cruises oder Holland America Line. Nur in EU-Häfen selbst darf das teure Schiffsnetz nicht aktiv sein.

Doch auch im Hafen ist eine gewisse Vorsicht geboten. Die beliebten Kreuzfahrt- oder Ausflugsziele Monaco, San Marino und die britischen Kanalinseln wie Guernsey fallen nicht unter die EU-Verordnung. Manche Mobilfunkanbieter verlangen hier dennoch keine Extragebühren, aber eben nicht alle.

Vor der Reise aktiv werden sollte, wer bislang eine gesonderte Tarif-Option fürs europäische Ausland gebucht hatte. Diese Optionen gelten auch nach dem Roaming-Verbot zumeist weiter und müssen aktiv gekündigt werden, um in den Genuss der Roaming-Gebührenfreiheit zu kommen. In Island und Norwegen fallen dagegen keine Roaming-Gebühren an. Beide Länder sind zwar nicht Mitglied der EU, haben sich als Teil des Europäischen Wirtschaftsraums der EU-Roaming-Verordnung aber angeschlossen.

So teuer ist das Handy-Telefonieren an Bord

Bis zu sechs Euro pro Minute, auch für eingehende Anrufe, kosten Handy-Gespräche auf See, die über das Satelliten-System des Schiffs vermittelt werden. Die Kosten variieren je nach Mobilfunk-Anbieter. Auch im günstigsten Fall kostet eine Gesprächsminute knapp zwei Euro. Bei täglich nur fünf Minuten Telefonieren kommt bei einer achttägigen Kreuzfahrt ein Betrag von 80 bis 290 Euro zusammen.
Das Handy loggt sich auf dem Schiff genau wie an Land in das verfügbares Mobilfunknetz ein und nutzt das angebotene Roaming. Nur laufen Telefonverbindungen vom Schiff aus über Satelliten. Entsprechend teuer ist die Nutzung.

Hinzu kommt, dass sich die Höhe der Gebühren vorab oft kaum ermitteln lässt. Denn es kommt darauf an, welchen Satelliten-Anbieter das jeweilige Schiff nutzt und welche Roaming-Abkommen der eigene Mobilfunkanbieter mit selbigem hat. Selbst die Tarifangaben zu «restliche Welt» oder ähnlichem in den Tabellen der Provider schliessen die Kosten für Schiffsnetze oft nicht mit ein, auch wenn es so klingt. Die hohen Gebühren gelten übrigens auch für das Telefon in der Schiffskabine. Telefonate von einer Kabine zur anderen innerhalb des Schiffs sind kostenlos, alle anderen Gespräche werden teuer abgerechnet.

Alternative: Skype, Whatsapp & Co.

Wer selbst auf See nicht auf den Kontakt mit zu Hause verzichten kann oder will, der findet oft eine günstigere Alternative über Internetdienste. Immer mehr Reedereien bieten auf ihren Schiffen inzwischen Flatrates für den Internetzugang per WLAN an. Und selbst bei teurer Minutenabrechnung der WLAN-Verbindung fallen hier maximal 90 Cent pro Minute an. Ist die Internetverbindung schnell genug, kann man dafür via Skype oder Messenger wie Whatsapp telefonieren.

Verlassen kann man sich auf Skype & Co. aber nicht. Denn einige Reedereien sperren Skype gezielt in ihren Bordnetzen, um die geringe verfügbare Bandbreite nicht zusätzlich zu belasten. Auch in Social-Media-Flatrates ist die Telefonie-Funktion von Skype und Messengern oft blockiert. Hier sollte man sich vor der Kreuzfahrt bei der Reedereien erkundigen, bei welchen Internettarifen auch Telefonie über das WLAN an Bord möglich ist.