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Mit dem luxuriösen Expeditionsschiff Le Commandant Charcot der Reederei Ponant sind top-Erlebnisse in eisigen Gefilden - und auch anderswo - garantiert. Bild: © Studio Ponant - Olivier Blaud

De Luxe Ausprobiert: Das neue Ponant-Schiff Le Commandant Charcot

Von Luxusinsider

Schon wieder ein neues Expeditionsschiff im Luxussegment… Langweilig? Au contraire: Die Commandant Charcot von Ponant schafft es tatsächlich noch, zu beeindrucken und zu überraschen. Zudem soll das Schiff eine Art Geheimwaffe sein, um den DACH-Markt im Sinne der Franzosen aufzurollen. Oh la, la!

Das Konzept

Das Expeditionsschiff Le Commandant Charcot ist speziell für Fahrten in den Polarregionen konzipiert. Und was treibt Menschen dazu, so eine Reise zu buchen? Na klar: der Entdeckerdrang! Entsprechend ist das Konzept des Schiffes deutlich tiefgründiger als bei so manchem Mitbewerber. So sind bestimmte Kabinen grundsätzlich für Forscher reserviert. Forschungseinrichtungen können sich mit ihren Projekten bewerben und dürfen ihr Team dann kostenlos mitschicken. Davon profitieren auch die Passagiere: Sie haben die Möglichkeit, aktiv Proben und Daten zu sammeln, sich mit den Wissenschaftlern auszutauschen und so einzigartige Einblicke zu erhalten. Die beiden Laborräume an Bord sind höchst authentisch: Ungeschliffen, nicht stylish, sondern hochfunktionell – etwa, um Bohrungen im Eis vorzunehmen. Zusätzlich teilt die Commandant Charcot viele Daten, die sie auf ihren Reisen sammelt, mit wissenschaftlichen Einrichtungen. Beispiel: Die Dicke des Eises wird in Echtzeit an eine Universität übertragen. Cool – im wahrsten Sinne des Wortes!

Schön, stark, cool und erst noch umweltfreundlich: Die Le Commandant Charcot von Ponant. Bild: © Studio Ponant - Nicolas Dubreuil

Die Nachhaltigkeit

Nein, nicht überspringen: Auch wenn wir alle das Wort nicht mehr hören können, sind die Ideen dazu auf diesem Schiff ziemlich spannend. Eigentlich logisch: Die Investition in ein Luxus-Polarschiff lohnt sich nur, wenn der Zauber intakter Polarregionen erhalten bleibt.

Das fängt beim Thema Energiesparen an: Die drei Pools an Bord sind beheizt. Die Fußböden der Außendecks und Balkone sind beheizt, damit niemand auf Eis ausrutscht. Selbst die Sitzbänke in der Außenbar werden angenehm warm unter dem Allerwertesten, sobald man sich hinsetzt – und das alles nur mit Abwärme, die Motor und Co. erzeugen.

Noch ein Beispiel, das aufhorchen lässt: Ursprünglich waren bordeigene Helikopter vorgesehen, um Ausflüge mit den Gästen zu machen. Die Idee wurde aus Umweltschutzgründen beerdigt, der einzige Hubschrauber wird nun für Notfälle und zum Scouting eingesetzt. Toller Nebeneffekt: Der gesamte Bug auf Deck 6, der eigentlich als Heli-Pad gedacht war, steht den Gästen jetzt als riesiger Freiraum zur Verfügung – so geht's gaaaanz nah ran ans Eis!

Und nicht nur an die Natur wird gedacht: Ponant investiert gezielt in Aktivitäten mit Ureinwohnern, damit diese von den Besuchern profitieren – und die Gäste umgekehrt vom gigantischen Wissensschatz der Inuit.

Auf dem Schiff gibt es natürlich auch einen Heliport. Bild: ©Studio Ponant - Olivier Blaud

Die Technik

Was bei regulären Kreuzfahrtschiffen höchstens für Technik-Nerds spannend ist, fasziniert auf der Commandant Charcot auch Laien: Es ist das erste gezielt für Passagiere gebaute Schiff mit der Polarklasse 2C und damit ganzjährig für die Fahrt in Pol-Regionen geeignet. Zum Vergleich: Die Hapag-Lloyd-Expeditionsschiffe liegen vier Stufen darunter.

Herzstück des technischen Wunderwerks ist der Hybridmotor, der mit Flüssig-Erdgas und Strom betrieben und in dieser Art erstmals auf einem Polarschiff eingesetzt wird ­– mutig in Regionen, in denen es nicht gerade wimmelt von Landstrom-Anlagen und LNG-Tankmöglichkeiten. Doch auch die anderen Komponenten sind clever durchdacht: Damit das Schiff in einem mühsam geschaffenen Kanal durch das Eis für den Rückweg nicht noch langwierig wenden muss, können die Azipods (der Antrieb unterhalb des Schiffsrumpfs) einfach umgedreht werden, so dass die Commandant Charcot quasi "rückwärts ausparken" kann. Beeindruckend!

Das finden vermutlich auch die Pinguine, Eisbären und Seelöwen, denen das Schiff künftig begegnen wird: Diverse technische Finessen mindern Geräusche und Vibrationen, die von der Commandant Charcot ausgehen, um die Wildtiere möglichst wenig zu stören.

Und auch die Zweibeiner schätzen die technische Leidenschaft der Ponant-Ingenieure: Zwischen den Tischen im Restaurant Silas befinden sich Steckdosen, und die kleinen Beistell-Tischchen in der Oberservation Lounge haben Ladestationen integriert. Endlich denkt mal jemand an uns Smartphone-Junkies!

Die Le Commandant Charcot hat die höchste Eisklasse. Bild: ©Studio Ponant - Nathalie Michel

Das Design

Um es kurz zu machen: Design können sie, die Franzosen. Was die Teams vom Studio Jean-Philippe Nuel und dem Architektenbüro Wilmotte & Associés hier geleistet haben, verdient das Foto-Feuerwerk, das unzählige Smartphones um mich herum erzeugen. Ist das schick! Die Farbwelt des Interieurs ist creme, gletscherblassblau und anthrazit kombiniert mit dunklem Holz – elegant und gleichzeitig ausgesprochen wohnlich und heimelig. Das Wichtigste daran: Der Look ist ausgesprochen zurückgenommen. Hier hat man verstanden, dass das Schiff hinter der Natur zurückzutreten hat, ihr nicht die Show stehlen darf, im besten Fall einfach mit ihr verschmilzt. Mit einer Ausnahme: Wer in einen der Glas-Aufzüge steigt, fährt an dem 9x3 Meter grossen Kunstwerk «Oscillation» vorbei – einem gigantischen Screen mit einer grafischen Eis-Szenerie, die sich ständig verändert. Definitiv ein Eyecatcher!

Scharfe Kanten findet man so gut wie gar nicht: Jedes Möbelstück, jede Trennwand, jedes Deko-Element schmiegt sich mit Rundungen regelrecht ins Auge des Betrachters – auch das eine Hommage an die Natur, die ja auch eher selten rechte Winkel erzeugt.

Wichtigste Komponente der Innengestaltung: viel, viel Tageslicht. Das (er-)spart nicht nur das unangenehme künstliche Licht, sondern holt die Polar-Landschaft geradezu ins Innere der Commandant Charcot.

Wunderbares Design am Beispiel des Bordrestaurants Silas. Bild: LUX

Die Kabinen

123 Kabinen und Suiten gibt es an Bord der Commandant Charcot, alle verfügen über einen privaten Balkon oder eine Terrasse. Ich bin in der 20 Quadratmeter großen Einstiegskategorie «Prestige Stateroom» untergebracht. Schick, aber geräumig geht anders: Im Endeffekt sprechen wir über einen Flur und einen schmalen Gang ums Bett herum. Dafür gibt's jede Menge Stauraum! Daumen hoch gibt's definitiv für das edel gestaltete Bad mit elegantem Fake-Granit, grosser Dusche und schminkfreundlicher Beleuchtung. Auch die Holz-Schiebetür, dank der man wahlweise mit Tageslicht oder Sichtschutz duschen kann, sollte sich so manches Hotel zum Beispiel nehmen. Eine Regendusche ist in dieser Kategorie allerdings nicht vorhanden, es gibt lediglich eine Handbrause.

Einige Sachen sind trotzdem schräg: So gibt es trotz der möglichen Belegung mit zwei Personen nur einen einzigen Haken für das Duschhandtuch. Zwei nasse Handtücher dort aufzuhängen, ist nicht nur schwierig, sondern auch vergebens: So trocknet da nichts. Die Mini-Bar ist samt alkoholischen Getränken inklusive, aber wer sich einen Gin Tonic mixen möchte, muss dies wahlweise in der Kaffeetasse tun oder sein Wasserglas vom Nachttisch zweckentfremden – weitere Gläser sind nicht vorhanden. Die Nespresso-Maschine funktioniert bei vielen Mitreisenden nicht, der Fön ist so gut versteckt, dass ich ihn während der Reise gar nicht finde (im oberen Fach über besagter Kaffee-Maschine gaaaanz hinten) und das Duschgel der Marke Diptyque riecht… nun ja, eher streng. Schnupper-Sieger ist die Bodylotion!

Viel Platz in den Prestige Staterooms auf der Le Commandant Charcot. Bild: LUX

Die Suiten

Top-Kategorie der Commandant Charcot ist die Owner's Suite: 115 luftige Quadratmeter, Herzstück ist ein riesiger Wohn-Essbereich. Allerdings hat die Suite nur ein Schlafzimmer, weitere vier Gäste können auf Ausklapp-Couches im Wohnzimmer nächtigen.

Mein persönlicher Favorit sind allerdings die vier Duplex-Suiten (94 Quadratmeter), die allein schon durch ihre Aufteilung ein grossartiges Raumgefühl schaffen. Und wie schnuckelig ist bitte die kleine, mit Sitzpolstern und Kissen bestückte Kuschelecke unter der Treppe?! Ideal für Frischluftfanatiker: Sowohl die Owner's Suite als auch die Duplex-Suiten verfügen über tolle, große Terrassen! Weitere Goodies: Alle Suitengäste können den inkludierten Butler-Service sowie einen Personal Trainer (120 Euro/Stunde) in Anspruch nehmen.

Prächtig: Die grosse Owner Suite. Bild: LUX

Die Kulinarik

Glücksgefühle für Gourmets: Während der kurzen Taufreise ist der französische Star-Koch Alain Ducasse persönlich an Bord. Entsprechend hoch sind die Erwartungen… Er entwirft ein Sechs-Gänge-Menü (zum Dessert gibt's eine Mini-Commandant-Charcot aus luftiger Schoko-Mousse!) und kommt im Anschluss an das Gala-Dinner zu jedem Tisch, um ein paar kluge Sätze über die Überlegenheit der französischen Küche zu sagen. Ähm, hüstel… Vielleicht gar nicht so verkehrt, dass im Normalbetrieb die Ponant-Köche am Herd stehen. Sie kümmern sich am Grill der Aussenbar Inneq und in den beiden Restaurants Nuna (Deck 5) und Sila (Deck 9) um knurrende Mägen. Praktisch: Von meinem persönlichen Lieblingsort auf dem Schiff, der Bar in der Observation Lounge, sind es nur wenige Schritte ins Silas. Perfekt für Sundowner, Aperitif und Digestif!

Wer lieber in kompletter Privatsphäre speisen möchte, kann dies jederzeit tun: Der 24-Stunden-Roomservice ist in sämtlichen Kabinen im Reisepreis eingeschlossen.

Dessert in Schiffsform von Sternekoch Alain Ducasse. Bild: LUX

Das Spa

Wow!!! Dieser Wellness-Bereich würde selbst einem Hotel zur Ehre gereichen, auf einem kleinen, wendigen Expeditionsschiff erwartet man das ganz sicher nicht: Neben drei geräumigen Treatment Rooms mit Tageslicht (einer davon für Paare), Sauna, Friseur und Nagelstudio gibt es einen bis zu -10 Grad kalten Snow Room (Foto) zum Einreiben nach dem Saunieren – für alle, die selbst in Polarregionen noch nicht genug von Eis und Schnee haben. Und dann der Relax-Bereich: Ausgesprochen großzügig, mit reichlich Liegen bestückt und einem grossen Oberlicht, das zusätzlich zur Fensterfront die umgebende Natur und Tageslicht hereinlässt. Hier gibt es auch einen 32 Grad warmen Indoor-Pool mit Gegenstromanlage und eine Detox Tea Bar. Und dieser Raumduft! Ob es wohl auffällt, wenn ich beim nächsten Programmpunkt fehle… ?!

Das sieht man nicht alle Tage: Der Snow Room im Spa. Bild: LUX

Der Service

Das Wichtigste gleich vorweg: Nein, man braucht definitiv keine Französisch-Kenntnisse, um sich an Bord der Commandat Charcot zu verständigen. Zwar sind die französischen Parts der Ankündigungen und Durchsagen etwas länger und ausgeschmückter als die englische Variante, aber das trübt das Vergnügen nicht.

Dennoch beginnt der zwischenmenschliche Kontakt an Bord mit einem kleinen Schreck: Kurz nach Bezug meiner Kabine höre ich plötzlich das elektronische sssrrrrt des Türschlosses, und die Hausdame steht unvermittelt im Zimmer. Sie erschreckt sich fast mehr als ich, trotzdem: So ganz ohne Anklopfen und ein warnendes "Housekeeping!" habe ich das in 16 Jahren Reisefachjournalisten-Dasein noch nie erlebt. Na gut, wenn sie schon mal da ist, kann ich auch gleich meine ersten Fragen loswerden.

Darüber hinaus flutscht es, insbesondere bei den Getränkebestellungen in Bars und Restaurants: Alles geht fix, Champagner und Co. werden unaufgefordert nachgeschenkt und trotz der größeren Gruppen geht nichts durcheinander. Nur ein Rooming hätte ich mir beim Einchecken gewünscht ­– dann hätte ich auch den Fön gefunden. Und ein Kompliment muss ich unbedingt noch loswerden: Kapitän Patrick Marchesseau und seine Top-Riege sind ausgesprochen herzlich und nahbar.

Der Indoor Pool bietet gemütliche Ausblicke auf die Aussenwelt. Bild: LUX

Fazit

Le Commandant Charcot ist ein ausgesprochen attraktives Expeditionsschiff, das ein bisschen "mehr drauf hat" als die meisten Mitbewerber im Luxussegment. Und trotz der nicht immer überzeugenden Kulinarik auf der Taufreise kann (und sollte!) das nach einem französischen Entdecker benannte Schiff seine französische Seele nicht verleugnen. Schön, dass man mit Englisch überall weiterkommt, aber viele Kunden werden ganz gezielt das Savoir Vivre buchen. Aktivitäten konnte man auf der Taufreise leider noch nicht testen, aber der Enthusiasmus von Expedition Leader Florence Kuyper spricht für sich. Und, ganz unter uns: Wenn es jemanden gibt, mit dem Sie Ihre Kunden auf ein Abenteuer schicken wollen, dann ist es Kapitän Patrick Marchesseau – jener mutige Herr, der einst die Entführung der Le Ponant durch Piraten im Golf von Aden ruhig und besonnen zu einem guten Ausgang führte.


(Getestet wurde das Schiff von Luxusinsider-Chefredakteurin Iris M. Köpke)