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Daniel Pauli, CEO vom Flussreisespezialisten Thurgau Travel zeigt sich zufrieden mit dem Sommergeschäft und blickt vorsichtig optimistisch dem Winter entgegen. Bild: Thurgau Travel

«Die Schiffe, die fahren, sind gut ausgelastet»

Von Nina Wild

Daniel Pauli, CEO von Thurgau Travel spricht im Travelnews-Interview über den Neustart der Flusskreuzfahrten und sagt, welche Veränderungen die Pandemie dem Betrieb beschert hat.

Herr Pauli, wie geht es dem Unternehmen Thurgau Travel aktuell?

Daniel Pauli: Wir konnten im Juni erfolgreich in die Saison 2021 starten und nehmen bereits seit einiger Zeit die Vorbuchungen für 2022 entgegen. Aktuell sind unsere Mitarbeiter sehr gut ausgelastet mit dem operativen Betrieb, da die Vorbereitungszeit geringer ausfiel und wir uns kontinuierlich den neuen Bestimmungen anpassen müssen. Nebst dem sind aktuell Überstunden notwendig, um die Vorbuchungen zeitgerecht abwickeln zu können. Insofern sind wir gut aufgestellt und zuversichtlich, dass wir weiterhin gut durch die Krise navigieren können und die Flussfahrt wiederaufbauen können.  

Wie lautet Ihre Bilanz zu den vergangenen Sommermonaten im Flusskreuzfahrten-Geschäft?

Mit den Sommermonaten seit Neustart im Juni sind wir den Umständen entsprechend ziemlich zufrieden. Den Umständen entsprechend bedeutet, dass die Schiffe, die fahren konnten gut ausgelastet waren, wir aber dennoch nicht alle Schiffe in Betrieb nehmen durften. Die Reiselust war deutlich spürbar nach dem erneuten Lockdown und die Kunden haben auch sehr kurzfristig, manchmal innerhalb von ein paar Tagen vor Abreise, gebucht. Das Schutzkonzept auf unseren Schiffen hat auch dieses Jahr bislang sehr gut funktioniert.

«Die meisten Fragen kommen in Bezug auf die aktuellen behördlichen Bestimmungen bei Einreise und Aufenthalt in einem Land sowie das geltende Schutzkonzept»

Wie sind die Aussichten für den Herbst/Winter?

Wir sind vorsichtig optimistisch was den Herbst/Winter anbelangt. Die Buchungslage ist ganz gut – auch für 2022 –  dennoch ist die Situation rund um Corona und den damit verbundenen Bestimmungen weiterhin sehr dynamisch und verändert sich rasch. Aus der Erfahrung vom letzten Jahr wissen wir, wie schnell es einen weiteren Lockdown geben kann.

In welchen Gebieten fahren Sie zurzeit und mit welchen Schiffen? Wo sind Flusskreuzfahrten derzeit nicht möglich?

Zurzeit befahren wir mit 13 Schiffen europäische Flüsse und Destinationen wie zum Beispiel Rhein, Donau, Douro, Rhône und Elbe sowie die Adriaküste. Leider ist es momentan nicht möglich, Reisen in Russland oder den asiatischen Ländern wie Indien, Burma, Laos, Kambodscha oder Vietnam durchzuführen. Die Crews der eigenen Schiffe in Tschechien und Burma unterstützen wir weiterhin, damit wir auch nach der Krise wieder auf diese treuen Mitarbeiter zählen können.

Welche Bedenken äussern KundInnen derzeit und wie versuchen Sie, diese aus dem Weg zu schaffen?

Die meisten Fragen kommen in Bezug auf die aktuellen behördlichen Bestimmungen bei Einreise und Aufenthalt in einem Land sowie das geltende Schutzkonzept. Hierbei informieren wir die Kunden proaktiv, ausführlich und transparent, welchen Einfluss die Bestimmungen auf das Reiseerlebnis haben. Mehrheitlich sind dies Fragen bezüglich Impfung, Maskenpflicht und ob Landgänge auch individuell möglich sind.

«In der Pandemie konnten wir allerdings auch sehr viel Neues ausprobieren»

Wie haben sich die Flusskreuzfahrt und das Erlebnis an Bord seit Ausbruch der Pandemie generell verändert?

Für uns in der Organisation ist es sehr viel komplexer und aufwändiger geworden. Die Rückmeldungen der Gäste zeigen, dass das Erlebnis unverändert der Erfolgsformel «Reisen und Ferien in Einem» entspricht. Reisen, weil eine Flussfahrt mit vielen Sehenswürdigkeiten und tollen landschaftlichen Erlebnissen verbunden ist und Ferien, weil man nur einmal den Koffer auspacken muss, sich danach entspannt zurücklehnen kann und alles organisiert ist.

Welche Marketing-Massnahmen ergreifen Sie, um KundInnen für sich zu gewinnen?

Wir haben einen bewährten Mix in Print, Digital und PR und verfolgen diesen konsequent weiter. Leider mussten wir auch dieses Jahr unseren erfolgreichsten Event – den Tag der offenen Schiffe, bei welchem wir jeweils mehrere Tausend Gäste begrüssen – absagen. In der Pandemie konnten wir allerdings auch sehr viel Neues ausprobieren – beispielsweise im digitalen Bereich.

«In der Regel haben wir mehr Projektideen als Ressourcen und das ist auch gut so»

Im Juni haben Sie spezielle Familienangebote, Themenreisen und geringe Zuschläge für Alleinreisende bekannt gegeben. Wie kommen diese Produkte an?

Wir haben noch viele weitere Produkte ausgearbeitet, die bereits dieses Jahr verfügbar sind und offensichtlich den Zeitgeist treffen. Die neuen Wanderreisen und die Reise «Spätsommer in den Reben», die nun zeitnah stattfinden, konnten wir sehr gut verkaufen. Mit den Freundinnentagen haben wir als erster Flussfahrten-Veranstalter ein Angebot, welches sich exklusiv an Frauen richtet. Nicht zuletzt bietet auch die «Wellnessreise auf dem Fluss» weitere Erholungsmöglichkeiten für Körper und Geist – also genau das Richtige in dieser anspruchsvollen Zeit. Die Zuschläge für Alleinreisende haben wir bereits letztes Jahr für einzelne Kabinenkategorien erheblich oder gar auf null reduziert. Dass dieser zusätzliche Service sehr gut angenommen wird, können wir an den Buchungszahlen eindeutig ablesen.

Welche Vorteile bietet ihr Sorglos-Paket, von welchem Reisende profitieren?

Die Erfahrung aus über 170 Abfahrten zeigt, dass unser Schutzkonzept, das Sorglos-Paket, funktioniert. Der Vorteil ist, dass wir den Kunden ein sicheres Gefühl geben können, ohne zugleich das Reiseerlebnis zu beeinträchtigen. Auf den Schiffen gilt hinsichtlich des Tragens von Masken dasselbe wie in der Schweiz und entspricht damit der Gewohnheit der Kunden. Unsere Reisegäste dürfen sich auch an Land frei bewegen – da setzen wir auf die Eigenverantwortung jedes Einzelnen.

Um den Bestimmungen der einzelnen Länder nachzukommen, haben wir auf den meisten Schiffen eine Testinfrastruktur aufgebaut. Wo dies nicht möglich ist, gibt es entsprechende Möglichkeiten an Land.

Welche neuen Projekte haben Sie in der Pipeline?

In der Regel haben wir mehr Projektideen als Ressourcen und das ist auch gut so. Aktuell haben wir ganz konkrete Projekte in Russland und Indien, welche wir weiterverfolgen.