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Auf dem Hausboot eröffnet sich Reisenden eine ganz neue Perspektive auf Land und Leute. Bild: Media Reisen

«Hausbootferien sind eben eine sehr Coronazeit-konforme Ferienform»

Hausbootferien bringen viele Vorteile mit sich. Travelnews hat sich bei den Spezialisten umgehört, wie sich die Nachfrage seit der Pandemie verändert hat und wie sich Reisende dieses spezielle Ferienerlebnis vorstellen müssen.

Ferien mit dem Hausboot sind eine besondere Reiseart: In kleinen Gruppen, mit der Familie oder zu Zweit können Reisende die Welt auf dem Wasserweg entdecken und ihr Programm ganz nach dem eigenen Gusto gestalten. Travelnews hat sich bei den Hausboot-Spezialisten Aquatravel und Media Reisen umgehört, wie es aktuell um das Geschäft steht und für welche Menschen sich diese Reiseart besonders eignet.

Die vergangenen Monate waren demnach auch für die beiden genannten Anbieter nicht einfach. «Die Monate März bis Juni waren auch bei uns turbulent mit vielen Annullationen und Verschiebungen», erklärt Daniel Steim, Geschäftsführer Aquatravel und führt aus: «Für bereits gebuchte Bootsmieten konnten wir für alle Kunden eine Lösung finden, da Verschiebungen bis Ende Saison 2021 angeboten werden konnten. Trotzdem war die Zahl der Annullationen hoch – der Umsatz für das laufende Jahr ist um mehr als 50 Prozent zurückgegangen.»

Alex Bähler, Managing Director von Media Reisen, bezeichnet die Zeit ebenfalls als herausfordernd: «Sehr anspruchsvoll mit den Kunden auf der einen Seite und den lokalen Behörden und Leistungsträgern auf der anderen Seite. Es war eine grosse Herausforderung, sich ständig den sich ändernden Rahmenbedingungen zu stellen und den Informationsfluss mit jeweils grösstmöglicher Geschwindigkeit und Klarheit zu gewährleisten.»

Corona-konform Reisen

Hausbootferien bieten eigentlich perfekte Voraussetzungen für Ferien in Zeiten des Coronavirus. Die Reisenden sind unter sich auf ihrem Boot im Wasser, fernab von Touristenströmen. Dies haben auch die Gäste realisiert. Nach anfänglichem Nachfrageeinbruch zu Beginn der Krise hat sich das Geschäft nämlich allmählich wieder erholt, wie Steim erklärt: «Einige Kunden haben festgestellt, dass Reisen mit dem Hausboot in Corona-Zeiten eine ideale Variante für unbesorgte Ferienerlebnisse im Familien- und engeren Freundeskreis sind. Es gab bedeutend mehr kurzfristige Anfragen für die Sommerferien als in den Vorjahren.» Im Juli und August waren einige Regionen sogar fast ausgebucht. Längerfristige Buchungen seien aufgrund der Planungsunsicherheit jedoch im Gegenzug zurückgegangen.

Bähler hingegen beobachtet eine Veränderung im Reiseverhalten seiner Kunden: «Es gibt eine klare Verlagerung in unsere Nachbarländer - mit dem eigenen Auto hinfahren können ist bei vielen Anfragen ein Grundbedürfnis. Insofern ist es sehr gut, dass wir durch unsere Partnerschaften mit Reedereien in Frankreich und Deutschland den Reisebüros auch die entsprechenden Möglichkeiten bieten konnten.»

Die Verunsicherung auf Kundenseite oder gar in der ganzen Gesellschaft über die Entwicklung der Pandemie ist noch immer gross. Wie möchten die Anbieter eben dieser Angst entgegenwirken? «Wir können nur immer wieder betonen, dass wir selber und auch unsere in den letzten Wochen gereisten Kunden sehr angetan sind von Ferien auf dem Hausboot - gerade in diesen speziellen Zeiten! Hausbootferien sind eben eine sehr Coronazeit-konforme  Ferienform», findet Bähler, derweil Steim ergänzt: «Die Ferien auf dem Hausboot per se sind unbedenklich.» Boote werden vor der Übergabe gereinigt und desinfiziert - bei der Übergabe herrsche Maskenpflicht. Es sei dennoch wichtig, den Kundinnen und Kunden die Sicherheit zu geben, dass die Ferien verschoben oder annulliert werden können.

Individuell auf dem Wasser unterwegs

Die Liste der Vorteile für die Reise auf dem Wasser ist lang. Reiserouten können individuell festgelegt werden und es wird nur dort gestoppt, wo es einem gefällt. Die Sicht auf die Dinge ist eine andere: vom Kanal aus eröffnet sich eine ganz neue Perspektive auf Land und Leute. Ausserdem ist kein ständiges Kofferpacken notwendig, da das Haus ja quasi ständig mit schwimmt. Durch das langsame Fortbewegen wirken die Reisen entschleunigend, wie beide Anbieter schwärmen.

Vermutlich haben viele Menschen noch nie ein Boot gesteuert. Das ist auch nicht notwendig, wie Steim erklärt: «Spezielle Erfahrungen als Schiffsführer sind nicht nötig. Wichtig sind die Bereitschaft und Freude, etwas ganz Neues kennenzulernen.» Dem stimmt auch Bähler zu: «Hausbootferien sind Campingferien auf dem Wasser. Das schöne daran ist, das dies in den meisten von uns angebotenen Regionen ohne Extra-Führerschein möglich ist und trotzdem schon rein vom Fortbewegungsmittel her mal etwas ganz Anderes.»

Für Hausboot-Neulinge empfiehlt Bähler die Ferien auf einem Kanal zu verbringen, weil dort das Fahrwasser ruhig sei, keine Untiefen zu erwarten seien und viele Anlegestellen zur Verfügung stehen. «Wir würden einen Kanal empfehlen, der zwar fürs Erlebnis ein paar Schleusen hat, jedoch nicht zu viele», erklärt der Managing Director. Bei Aquatravel hat sich neben dem Elsass auch die Region Franche Comté bewährt.

Auch wenn Hausboot-Ferien nicht kompliziert sind, empfiehlt Steim Ersttätern eine persönliche Beratung von den Spezialisten: «Grundsätzlich können Angebote Online oder telefonisch gebucht werden. Für Interessenten und Interessentinnen, die keine Erfahrung mit Hausboot-Ferien haben, ist eine persönliche Beratung im Reisebüro oder am Telefon von grossem Vorteil.» Bähler bietet seine Produkte ebenfalls online und offline an - für Reisebüros und Direktkunden. «Viele Reisebüros, welche uns für eine Buchung kontaktieren, sind auch froh um eine Verkaufsunterstützung durch unsere Hausbootprofis - da das Produkt eben nicht dem Standardangebot in einem Reisebüro entspricht.»

(NWI)