Cruise

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Rebecca Giger (-Senn) ist 28 Jahre alt und übernahm von zwei Jahren von Markus Flühmann die Cruise & Ferry Center AG. Sie absolvierte bereits ihre Lehre in der Firma. Bild: TN

«Die Kombination Zug und Fähre wird immer populärer»

Von Gregor Waser

Seit zwei Jahren leitet Rebecca Giger die Cruise & Ferry Center AG. Im Interview äussert sie sich zu den jüngsten Trends und sagt, wie ihre Firma die aktuelle Krise meistert.

Frau Giger, eigentlich wollten wir über Fährverbindungen reden – und jetzt steht die Welt still.

Rebecca Giger: Ich habe die Hoffnung, dass sich bis in zwei Monaten alles wieder normalisiert und dass das Reisen nur aufgeschoben ist. Ohne Coronavirus hätte sich bei uns ein top Jahr abgezeichnet.

Wie ging bei Ihnen das Jahr los?

Wir sind sehr gut gestartet, bis Ende Februar verzeichneten wir ein Plus von 25 Prozent, mehrheitlich dank neuen Kunden. Es freut mich, dass die eineinhalbjährige Aufbauarbeit meines Teams und mir Früchte trägt. Wir haben uns noch klarer positioniert als persönlicher Ansprechpartner für Fähren, den Service ausgebaut und eine neue Webseite lanciert.

Verzeichnen Fähren generell eine grössere Nachfrage?

Diesen Trend stellen wir fest, auch seitens Reisebüros haben wir mehr Anfragen erhalten. Gerade die Kombination Zug und Fähre wird immer populärer – auch aus nachhaltigen Gründen. Etwa mit dem Zug nach Barcelona und dann mit der Fähre nach Mallorca, so wird schon der Weg zum Erlebnis.

Können Fähren beim Erlebnis mit Kreuzfahrtschiffen mithalten?

Im Norden sind die Fährgesellschaften schon sehr weit. Aber auch im Mittelmeer ist die Überfahrt sehr angenehm. Restaurants wurden erweitert, man erhält die Auswahl zwischen Buffet und A la carte, Moby Lines wartet mit einer Pizzeria auf. Auch für Kinder gibt’s coole Spielecken. Man kann sich jedenfalls schön entspannen. Um vollends erholt anzukommen, empfehlen wir eine nächtliche Überfahrt.

«Kunden sollen zunächst mal bis am 4. April zuwarten»

Welche neuen Routen und Trends zeichnen sich ab?

Corsica Sardinia Ferries hat seit April 2018 neu Toulon - Alcudia im Programm, eine beliebte Alternative zu Barcelona, um nach Mallorca zu gelangen. Stets beliebter wird das Inselhüpfen, sei es auf den Kanarischen Inseln, auf den Balearen oder in der Ägäis. Minoan und Hellenic Seaways haben ebenfalls neue Strecken aufgenommen. Sehr beliebt ist auch Camping an Bord, dass man etwa ab Ancona oder Bari bei der Überfahrt nach Griechenland machen kann - im eigenen Camper, der am Upperdeck an der frischen Luft steht.

Welches sind die top fünf Routen?

Von Italien nach Griechenland, Sardinien, Korsika, Sizilien und Platz 5 ist England. Aber ja, die ersten vier betreffen Italien, entsprechend haben wir nun in den letzten Wochen viele Annullationen erhalten.

Wann ging die Annullationswelle los?

Bis Ende Februar haben wir noch praktisch nichts gemerkt. In der ersten März-Woche gingen die Buchungen um 50 Prozent zurück und doppelt so viele Annullationen kamen rein. In den letzten Tagen kam nun keine einzige Buchung mehr rein, nur Annullationen oder Kunden mit der Frage, wie es weitergeht. Wir beruhigen die Kunden dann und sagen ihnen, sie sollen zunächst mal bis am 4. April zuwarten. Es hat sich alles so schnell ins Negative geändert, da habe ich die Hoffnung, dass sich die Situation auch schnell wieder ins Positive ändern kann.

Wie schauts mit der Kulanz der Reedereien aus bei Annullationen?

Sie versuchen kulant zu sein, können aber auch nur bis am 4. April Kulanz zeigen. Bei Annullationen erhalten die Kunden von den Reedereien einen Gutschein in der Höhe der Buchung, den man bis Ende 2021 einlösen kann. Einige wenige Reedereien pochen noch auf die Annullationsbedingungen. Erfreulich ist, dass die Reedereien nun bei Neubuchungen flexibel sind, wir haben dies auf unserer Webseite zusammengestellt.

«Wir stehen Reisebüros mit Rat und Tat zur Seite»

Wie gross sind ihre Vertriebsanteile über Reisebüros und direkt?

60 Prozent erfolgen über Reisebüros. Eigentlich schade, dass es nicht mehr sind. Wir hatten auch schon Reisebüros, die ihren Kunden sagten, gehen sie direkt zu Cruise & Ferry Center. Das ist ja vielleicht gut für uns, aber aus Sicht des Reisebüros ist es schade, denn diese Kunden werden dann wohl auch bei der nächsten Buchung nicht mehr ins Reisebüro gehen. Wir stehen Reisebüros jedenfalls mit Rat und Tat zur Seite.

Wie reagieren Sie nun aktuell auf die «ausserordentliche Lage»?

Wir haben Kurzarbeit beantragt. Dazu werden die Mitarbeitenden auch ihre Überstunden abbauen. Gleichwohl sollten wir noch zu zweit hier sein, wir möchten uns weiterhin für die Kunden Zeit nehmen und ihnen die Möglichkeiten aufzeigen. Aber weitere Massnahmen sind nicht auszuschliessen, wenn die Krise länger als zwei, drei Monate dauert.

Mutterfreuden stehen bei Ihnen an. Wie schaut da ihre Planung aus?

Ende April ist es soweit. Nach dem Mutterschaftsurlaub werde ich aber mit vollem Pensum zurückkommen, mein Partner kann mich dabei gut unterstützen, er ist selbständig und arbeitet zuhause. Zudem werden wir auf die Unterstützung unserer Mütter zählen dürfen. Und ein Tag Kita ist für das Kind ja auch gut. Zudem bieten es sich heute ja auch an, ab und zu von zuhause aus zu arbeiten.