Cruise

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Die MS Spitsbergen, hier auf den Färöer: Auch Schweizer waren von der kurzfristigen Reise-Absage wegen einem unerwarteten «Njet» der russischen Schifffahrtsbehörden betroffen. Bild: Karsten Bidstrup/Hurtigruten ASA

Kreuzfahrt nach russischer Art: Wer zahlt, der kreuzt?

Die kurzfristige Absage zweier Hurtigruten-Touren in russische Gewässer hat hohe Wellen geworfen - auch Schweizer Passagiere waren betroffen. Anfänglich wurde ein Militärmanöver als Grund angegeben – möglicherweise stehen aber auch einfach finanzielle Aspekte dahinter.

Eigentlich hat sich die russische Hafenstadt Murmansk für viel Geld ein neues Pier geleistet. Es sollte der Auftakt sein für eine deutlich grössere Partizipation Russlands am wachsenden, lukrativen Expeditions-Kreuzfahrtmarkt. Schliesslich gibt es immer mehr Expeditionsschiffe, welche die immer grössere Nachfrage nach Touren ins Nordpolarmeer befriedigen wollen; aktuell sind weltweit etwa 20 Expeditionsschiffe in Bau. Murmansk hatte sogar als eine von nur wenigen russischen Städten den Status bekommen, fremden Gästen ein 72-Stunden-Visum ausstellen zu dürfen.

Und dann das: Letzte Woche wurde bekannt, dass Hurtigruten gleich zwei Kreuzfahrten ins russische Archipel Franz-Josef-Land, welche via Murmansk führen sollten, unerwartet und kurzfristig absagen muss. Von Seiten Hurtigruten hiess es, dass Militärmanöver vorgeschoben wurden. Inzwischen hat aber Dmitry Filippov (Regionalminister für Industrie und Geschäftsentwicklung in der Oblast Murmansk) im lokalen russischen Magazin «Severpost» verlauten lassen, dass die «MS Spitsbergen» von Hurtigruten «aufgrund ihrer tiefen Eisklasse» keine Fahrterlaubnis der russischen Schifffahrtsbehörde erhalten habe. Es sei um die Sicherheit der Passagiere gegangen. Die Militärübung hätte lediglich die zweite annullierte Kreuzfahrt im September betroffen, was jedoch angesichts der tiefen Eisklasse ohnehin keine Rolle gespielt habe.

Seltsam an dieser Argumentation ist, dass die «Sea Spirit» von Poseidon Expeditions aber soeben von einer Kreuzfahrt nach Franz-Josef-Land zurückgekehrt ist. Die «Sea Spirit» hat Eisklasse 1D und ist 18 Jahre älter als die «MS Spitsbergen», welche Eisklasse 1C hat. Kann es sein, dass Nikolai Saveliev seine Finger im Spiel hatte? Dies ist der Gründer von Poseidon Expeditions – der von 2003-2009 bei der russischen Schiffahrtsbehörde eine leitende Position innehatte. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...

Schweizer Passagiere mussten umgebucht werden

Die Reederei Hurtigruten hat Bedenken zur Eisklasse jedenfalls in den Wind geschlagen. Allerdings wird auch nicht laut mit dem Finger auf die russischen Behörden gezeigt. Dieselben zwei Touren, die jetzt annulliert wurden, sind nämlich auch für 2020 geplant. Hurtigruten befindet sich weiterhin im Gespräch mit den russischen Behörden.

Und was ist mit Schweizer Passagieren? Travelnews hat bei den Spezialisten nachgefragt. Philipp Jordi (Glur Reisen) erklärt: « Wir hatten auf dieser Reise ein paar Kunden gebucht. Ihnen wurde eine Alternative auf Spitzbergen angeboten.» Für ihn wird es nun spannend sein, ob die Kreuzfahrt von Silversea, welche auch in diesen Gewässern unterwegs ist, erlaubt wird. Jonas Gobeli (Kontiki Reisen) hatte zwar auf der MV Spitsbergen im Juli einen Vollcharter, allerdings nur für eine Spitzbergen-Cruise: «Wir hatten keine Gäste auf den annullierten Reisen. Glück gehabt… Anfangs August hatten wir aber eine begleitete Gruppe auf der MV Sea Spirit nach Franz-Josef-Land.»

(JCR)