Cruise

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Auf der aktuell laufenden Reise musste die Excellence Melodia ihre Route anpassen. Bild: Reisebüro Mittelthurgau.

Machen die Hitzewochen den River-Cruise-Schiffen das Leben schwer?

Von Linda von Euw

Flusskreuzfahrtschiffe sind auf einen ausreichend hohen Wasserpegel in den Flüssen angewiesen. Doch wie sieht das bei der zurzeit herrschenden Hitze gepaart mit wenig Niederschlag aus? Travelnews.ch hat bei den Anbietern nachgefragt.

Die Anbieter von Flusskreuzfahrten dürften in diesen Tagen die eine oder andere Schweissperle auf der Stirn haben, die nicht den aktuell herrschenden hohen Temperaturen zuzuschreiben ist. Denn das heisse Wetter gepaart mit ausbleibendem Niederschlag hat auch Auswirkungen auf den Wasserpegel der europäischen Flüsse – der Geschäftsbasis der River-Cruise-Spezialisten.

So musste die Excellence Melodia des Reisebüros Mittelthurgau auf der gerade stattfindenden Reise die Route anpassen: wegen der Niedrigwasserstelle Pfenning. Häufen sich die Niederigwasserstände mit den im letzten und diesjährigen steigenden Temperaturen in den Sommermonaten? Gabi Herzig vom Reisebüro Mittelthurgau findet es schwierig, dazu eine fundierte Aussage zu machen: «Wir haben jedes Jahr Hoch- und Niedrigwassersituationen – mal mehr, mal weniger.»

Etwas anders sieht das Mike Papritz, Geschäftsführer Rivage Flussreisen: «Der Jahrhundertsommer im letzten Jahr war bisher eine Ausnahme, jedoch beobachten wir die aktuelle Entwicklung natürlich sehr sorgfältig.» Und auch Hans Kaufmann, Geschäftsführer von Thurgau Travel findet: «Letztes Jahr war ja bekanntlich ein sehr extremes Jahr und da sind wir noch ganz gut über die Runden gekommen. Dank geschickter Planung konnten wir meistens Alternativrouten anbieten oder durch Schiffstausch die Reisen durchführen.»

Auch für dieses Jahr ist Kaufmann zuversichtlich: «Wir mussten noch keine Reisen annullieren. Wenn die langfristigen Wetterprognosen stimmen, gibt es immer wieder mal Gewitter, was bislang dieses Jahr auch immer geschehen ist. Zudem ist der Grundwasserspiegel wie auch der Wasserstand des Bodensees viel höher als letztes Jahr.»

«Wir können dank Charter-Schiffen den Hitzemonaten teilweise ausweichen»

Ab welchem Wasserpegel die Flussschiffe nicht mehr passieren können, kann keiner der Anbieter konkret beantworten. Mike Papritz von Rivage Flussreisen sagt dazu: «Dies variiert von Schiff zu Schiff. Unsere CroisiEurope-Schiffe auf Loire und Elbe beispielsweise haben deutlich weniger Tiefgang. Weiter hängt es natürlich auch ab von der Anzahl Decks, der Auslastung auf einer Reise – wie viele Kunden an Bord sind – und dem mitgeführten Wasser und Treibstoff, der bei Wasserknappheit dann auch bewusst als Manövriermasse verwendet wird.»

Eine Reise absagen musste bislang keiner der befragten Anbieter. Wird eine Änderung der Route notwendig, entscheide man das aber grundsätzlich sehr kurzfristig. Denn meistens gehe es nur um ein bis zwei kritische Stellen, bei denen bereits ein Regentag reiche, um sie zu passieren, erläutert Papritz. Und räumt ein: «Wir chartern die Schiffe nur wochenweise und können dadurch den Hitzemonaten zumindest teilweise ausweichen, beziehungsweise müssen wir so das Schiff nicht ganzjährig in Betrieb haben.»

Müsste man tatsächlich eine Reise absagen, würde Rivage Flussreisen aber auf jeden Fall versuchen, den Kunden eine gleichwertige Ersatzreise anzubieten oder sie auf ein anderes Datum umzubuchen.

Ersatzszenarien bei Hoch- und Niedrigwasser

Gabi Herzig vom Reisebüro Mittelghurgau sagt: «Als verantwortungsvoller und fairer Reiseanbieter informieren wir die Kunden so früh wie möglich und bieten auch Alternativen an. Wir arbeiten sehr eng mit der nautischen Abteilung und den Kapitänen an Bord zusammen. Sobald sich Hoch- oder Niedrigwasser abzeichnet, diskutieren wir Szenarien, womit wir die Kunden bestmöglich bedienen können.»

Sobald der Entscheid einer Anpassung getroffen sei und noch genug Zeit bis zur Abreise bleibe, informiere man die Kunden schriftlich. Bei sehr kurzfristigen Anpassungen würden Kunden telefonisch kontaktiert. Bei einem Rerouting wie diesem der Excellence Melodia hätten Kunden die Möglichkeit, diese Variante anzunehmen, eine Alternative zu buchen oder auch von der Reise zurückzutreten.

«Es ist das Gleiche wie ein Wirbelsturm»

Gibt es eine Versicherung, die solche unverschuldeten Ereignisse für die Anbieter abdeckt? Mike Papritz erklärt, dass solche Naturereignisse als höhere Gewalt eingestuft würden und sich deshalb praktisch nicht versichern liessen. Auch Passagiere, die eine private Reiseversicherung abgeschlossen hätten, könnten solche Hoch- oder Niedrigwasserstände nicht als Schaden geltend machen. Auch hier gelte das Gesetz der höheren Gewalt.

Sollen dann Kunden überhaupt das Risiko eingehen und während der möglichen Hitzewochen eine Flusskreuzfahrt buchen? Gabi Herzig hat dazu eine klare Meinung: «Es ist das Gleiche wie ein Wirbelsturm in der Karibik. Bieten die Reiseveranstalter deshalb auch keine Karibik-Ferien mehr an?» Wohl kaum. Ob aber viele Kunden während der Hurrikan-Saison Karibikaufenthalte buchen, ist die andere Frage.

Das Fazit: Wer als Fluss-Kreuzfahrt-Passagier eine gewisse Flexibilität für eine mögliche Routenanpassung mitbringt, dürfte auch während der besonders heissen Sommerwochen eine unbeschwerte River-Cruise geniessen können.