Cruise

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Dicker Rauch aus den Schornsteinen eines Kreuzfahrtschiffs in Landnähe: Die Umweltproblematik ist aktuell das Hinkebein der Boombranche. Bild: AdobeStock

Diese Hafenstädte leiden am meisten unter Cruise-Abgasen

Der Schadstoffausstoss ist um ein Vielfaches höher als jener von Autos. Doch die Hafenstädte sind teils auch selber Schuld: Stromversorgung am Dock könnte das Problem entschärfen.

Kreufahrten bieten so viel: Man sieht unterschiedlichste Städte und Länder, ohne stets Koffer packen zu müssen. Das Unterhaltungs- und Kulinarik-Angebot an Bord ist riesig. Man muss nicht alles selber organisieren und die Preise sind inzwischen recht erschwinglich. Doch die Reedereien haben auch ein Problem: Der enorme Schadstoffausstoss der Meeresgiganten sorgt für viel Diskussionsstoff. Und obwohl viele Reedereien alles mögliche tun, um ihre Emissionsbilanzen zu verbessern, so bleibt doch die Feststellung, dass ein Riesenschiff eben auch riesig viel Abgas produziert.

Davon leiden primär die Hafenstädte, in den die Kolosse ankern. Wie stark diese leiden, war Gegenstand einer kürzlich publizierten Analyse der in Brüssel domizilierten «European Federation for Transport & Environment». Diese Analyse, basierend auf sorgfältig zusammengetragenen Zahlen aus dem Jahr 2017, sind ziemlich bedenklich. Die Forderung der Gruppe lautet damit klar: Künftig müsse es vor Anker eine «Null-Emissions-Politik» der Häfen geben. Darüber hinaus müssten von Staates wegen stringente Umweltverordnungen für Reedereien definiert und angewendet werden.

Und hier liegt das Problem: In diversen Häfen gibt es keine genügende Versorgung der Schiffe mit Landstrom, weshalb diese die Motoren laufen lassen, um den Energiebedarf an Bord auch im Stillstand zu gewährleisten. Auch hier sind die Politik sowie Energieunternehmen, in Zusammenarbeit mit den Reedereien, gefragt.

Spanien besonders betroffen

Wer sind denn nun die primär betroffenen Hafenstädte? In den Top 10 finden sich gleich vier spanische Häfen. Die Rangliste sieht wie folgt aus (die Top 50 Rangliste sowie weitere inhaltliche Details finden sich in der Studie selber, die unter diesem Link heruntergeladen werden kann).

Kreuzfahrtschiffe verursachen Emissionen in Form von Stickoxiden, Schwefeloxiden und Feinstaub. So weit, so gewöhnlich. Der Report verweist aber auf ein besonderes Problem am Beispiel Dänemark: Die Küsten des nordischen Landes sind allesamt innerhalb von Schwefelausstoss-Kontrollzonen (SECA), also in Gebieten, wo der Schwefelgehalt im Schiffstreibstoff strengen Kontrollen unterliegt. Und doch stiessen dort Kreuzfahrtschiffe im Jahr 2017 rund 18 Mal mehr Schwefeloxid aus als 2,5 Millionen Personenwagen kumuliert. Laut «Transport & Environment» habe dies damit zu tun, dass Abgas-Schadstoff-Direktiven für den Autoverkehr streng und längst weitgehend umgesetzt sind, was beim Schiffsverkehr nicht der Fall sei. Sogar nach der Einführung einer Schwefelemissions-Obergrenze für Kreuzfahrtschiffe ab 2020 werde deren Anteil am Gesamtausstoss hoch bleiben.

Nimmt man Kopenhagen - die dänische Hauptstadt erscheint überraschenderweise in den Top 10 der am meisten betroffenen Hafenstädte -, so musste die Stadt 2017 insgesamt 310'488 Kilogramm Stickoxide, 14'425 Kilo Schwefeloxide und 5738 Kilo Feinstaub allein wegen Kreuzfahrtschiffen ertragen. Die 206'000 Autos auf dänischen Strassen stiessen im selben Jahr 806'206 Kilo Stickoxide, 2511 Kilo Schwefeloxide und 93'640 Kilo Feinstaub aus. Man sieht, dass das Problem vor allem bei Schwefeloxiden liegt.

Wird die Kreuzfahrtbranche unter dieser Studie leiden? Wohl nicht, die Nachfrage ist ungebrochen und die Umweltverordnungen für Schiffe werden immer stringenter. Allerdings nur, weil solche Studien eben auch veröffentlicht werden.

(JCR)