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Blick vom Hausberg Fløyen auf das Zentrum von Bergen: Rechts erkennt man mehrere grosse Kreuzfahrtschiffe beim Dokken-Terminal; die langgezogenen braunen Hausdächer gleich davor sind das Hanse-Viertel Bryggen. Bild: NykO18 on VisualHunt CC BY-NC-SA

Bergen schränkt den Kreuzfahrttourismus ein

Die norwegische Hafenstadt will ab 2019 die Anzahl täglicher Kreuzfahrtschiff-Anläufe reduzieren. Dafür werden bewusst touristische Umsatzeinbussen in Kauf genommen.

Bergen, das Tor zu Norwegens Fjordküste, mag eine Stadt mit über 200’000 Einwohnern sein: Die historische Altstadt mit dem Unesco-geschützten Hanse-Viertel Bryggen ist sehr überschaubar. Das ist in den letzten Jahren zu einem Problem geworden, denn Bergen ist bei Kreuzfahrtgesellschaften und –passagieren sehr beliebt: Zum einen profitiert der ganze europäische Norden von hoher Nachfrage, zum andern legen in Bergen die Kreuzfahrtschiffe in Gehdistanz der Altstadt an.

Das Problem: Im kleinen Hanseviertel herrscht dadurch den ganzen Sommer lang Hochbetrieb. Vor der Talstation der Standseilbahn Fløibana - welche vom Zentrum auf den Hausberg Fløyen führt, von wo aus man wunderschöne Blicke auf Stadt, Fjorde und vorgelagerte Inseln geniesst – bilden sich regelmässig extrem lange Schlangen. Ein Ärgernis für viele Anwohner, welche die Fløibana zum Heimkommen nehmen müssen. Nicht zuletzt hat Bergen, eingepfercht zwischen mehreren Hügeln, schon von alleine ein zeitweiliges Smogproblem, welches durch den Ausstoss der Riesenschiffe oft noch verschärft wird. Ausserdem sind die Preise für Waren im Stadtzentrum, vor allem beim touristisch beliebten Fischmarkt, auf ein Niveau gestiegen, bei dem man nur noch von «Wucher» sprechen kann.

Zu viel für die Stadtbehörden: Vorletzte Woche wurden die Anlaufbewilligungen für Kreuzfahrtschiffe zum zweiten Jahr in Folge gedeckelt. Erst vor einem Jahr hatten sich Stadtrat, Hafen und Tourismusbehörden darauf geeinigt, dass täglich maximal vier Kreuzfahrtschiffe mit insgesamt nicht mehr als 9000 Passagieren anlegen dürfen. Neu wird dies ab 2019 auf drei Schiffe mit maximal 8000 Passagieren reduziert.

Bewusster Verzicht auf Kreuzfahrt-Umsatz

Grundlage für den neuerlichen Vorstoss der politischen Behörden in Bergen ist eine Studie von Menon Economics, welche vom Gewerbeverband Bergen, Maritime Bergen und Bergens Tourismusbehörde in Auftrag gegeben wurde. Dieser zufolge liegen die durchschnittlichen Ausgaben pro Kreuzfahrt-Passagier in Bergen zwar bei beachtlichen 1090 Kronen (rund 130 Franken), allerdings entfalle ein Drittel der Ausgaben auf 3 Prozent der Passagiere. Nach Abzug dieser Gruppe liege der Ausgaben-Durchschnitt bei noch rund 700 Kronen (ca. 84 Franken).

Das sind bei mehreren Tausend Passagieren zwar immer noch erkleckliche Summen. Nur profitieren davon vergleichsweise wenige Unternehmen. Manche Politiker wünschen sich statt einer Begrenzung der Schiffe lieber eine Elektrifizierung des Hafens, also ein Angebot für landseitigen Strombezug durch Kreuzfahrtschiffe (damit könnten die Schiffe ihre Motoren im Hafen abstellen), was wenigstens dem Umweltproblem etwas abhelfen könnte. Die Mehrheit der Politiker sorgt sich allerdings um Lebensqualität und ist der Meinung, dass Bergen «nicht für Massentourismus geeignet» sei und man eher auf «Qualität statt Quantität» setzen sollte – und dass mit herkömmlichen Touristen und einer limitierten Anzahl Kreuzfahrttouristen genügend Umsatz gemacht werden könne. Oder anders formuliert: Das Einkommenspotenzial aus dem touristischen Sektor wird mit Blick auf Nachhaltigkeit und Lebensqualität freiwillig gedeckelt.

Bergen ist mit dieser Haltung nicht allein. Dubrovnik, mit ähnlichen Platzproblemen in der historischen Altstadt konfrontiert, beschloss schon früher dieses Jahr eine Beschränkung für Kreuzfahrtschiffe. In Venedig, Valletta und andernorts wird über ähnliche Massnahmen zumindest diskutiert.

(JCR)