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Flexible Arbeitsmodelle haben laut Airplus-Studie mit der Mitarbeiterzufriedenheit und damit auch mit dem Kampf um Fachkräfte zu tun. Bild: Helena Lopes

Unternehmen setzen auch in Zukunft auf mobiles Arbeiten

Auch zukünftig soll ortsunabhängiges Arbeiten ein wichtiger Bestandteil der Arbeitswelt bleiben, wie über drei Viertel der Befragten einer Airplus-Umfrage bestätigten.

Die Corona-Pandemie hat gezeigt: Arbeiten von zuhause aus ist weitgehend möglich. Wie gut das funktioniert, darüber scheiden sich die Geister und dies ist auch abhängig von der jeweiligen Umsetzung und den Regelungen im Unternehmen. So oder so scheint sich aber die Homeoffice-Möglichkeit, zumindest partiell, langfristig durchzusetzen: Wie eine Umfrage des Corporate-Payment-Spezialisten AirPlus International unter rund 750 Vorständen und Geschäftsführern weltweit aufzeigt, wird auch nach der Coronapandemie etwas mehr als die Hälfte der Arbeit in den Unternehmen nicht mehr in den Betrieben, sondern im Homeoffice oder von anderswo erledigt. Für die Umfrage hat AirPlus im Juni insgesamt 743 Topmanager in Deutschland, USA, Grossbritannien, China, Italien und Frankreich befragt, darunter CEOs, Finanz- und Vertriebschefs.

Im Durchschnitt werde demnach 51 Prozent der anfallenden Arbeit zukünftig «remote» ausgeführt. In den USA ist die Bereitschaft dazu am höchsten mit im Schnitt 57 Prozent, in China mit 43 Prozent am niedrigsten. Deutsche Unternehmen gehen durchschnittlich von 52 Prozent aus; für Schweizer Unternehmen liegen keine Zahlen vor.

Damit planen die Firmen, den Anteil des mobilen Arbeitens gegenüber der Pandemiephase nur leicht zu senken. Bisher wurden demnach im Schnitt 57 Prozent der Arbeit ausserhalb der Geschäftsräume erledigt – vor allem im Homeoffice, um Ansteckungsrisiken zu minimieren. Auch zukünftig soll nun ortsunabhängiges Arbeiten ein wichtiger Bestandteil der Arbeitswelt bleiben, wie mehr als drei Viertel der Befragten (77 Prozent) bestätigten. Unter den Unternehmensbereichen, die weiterhin im Homeoffice arbeiten dürften, nennen die Entscheider vor allem IT (41 Prozent) sowie Finance und Management (jeweils 39 Prozent). Knapp dahinter folgen Marketing und Kommunikation (37 Prozent) und allgemeine Verwaltung (36 Prozent). Am wenigsten geeignet für die Arbeit von unterwegs sehen die Firmenchefs Produktion und Produktionsmanagement (22 Prozent) sowie den Beratungsbereich (28 Prozent).

Dass flexibles Arbeiten weiterhin wichtig bleibt, dürfte nicht nur Spargründen geschuldet sein. Die Wirtschaft dürfte hier auch die Wünsche der Mitarbeiter im Blick haben. Zumindest sehen die Firmenlenker die Mitarbeiterzufriedenheit und den Kampf um Fachkräfte als die wichtigsten Themen der nahen Zukunft an. Knapp die Hälfte erwartet, dass diese Punkte für sie in nächster Zeit wichtig werden, gefolgt von Digitalisierung und den wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronapandemie. Die Flexibilität, nicht mehr nur vom Büro aus arbeiten zu können, gewinnt dabei nicht nur an Bedeutung, wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht. Auch dürften Unternehmen bei Fachkräften punkten, die weiter weg wohnen und nicht jeden Tag lange Pendelwege in Kauf nehmen wollen.

Unternehmen spüren auch Nachteile des mobilen Arbeitens

Allerdings bringt das Homeoffice nicht nur Vorteile mit sich, wie die Unternehmen in den vergangenen Monaten erfahren mussten. 61 Prozent der von AirPlus befragten Topmanager berichteten von Prozessen, die aufgrund mangelnder Digitalisierung noch gar keine Fernarbeit zuliessen. Ausserdem registrierten sie Hindernisse und Missverständnisse im Arbeitsalltag. 59 Prozent beklagten, dass diese aufgrund fehlender persönlicher Interaktion nur schwer zu überwinden gewesen seien. Mehr als die Hälfte nahm zudem eine geringere Produktivität und sogar eine geringere Kundenzufriedenheit wahr.

Überraschend: 50 Prozent der befragten Unternehmenschefs spürten auch eine geringere Mitarbeiterzufriedenheit. Gefragt sein dürften zukünftig daher vor allem hybride Modelle, die die Vorzüge beider Welten miteinander verbinden. Die Planungen vieler Unternehmen mit gemeinsamen Bürotagen zur Abstimmung und Zeiten mit konzentriertem Arbeiten von Zuhause aus gehen bereits in diese Richtung.

(JCR)