Business Travel

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Roland Birchmeier, CEO von bta first travel (Hotelplan Group), empfiehlt derzeit Kundinnen und Kunden, kurzfristig zu buchen. Bild: Hotelplan

«Geschäftsreisen sind kein Auslaufmodell»

Von Nina Wild

Roland Birchmeier, CEO des Businessreiseanbieters bta first travel, äussert sich im Interview zu den aktuellen Herausforderungen, zur Bedeutung persönlicher Treffen und er glaubt, dass wir nach überstandener Krise gelassener sein werden.

Herr Birchmeier, welche Schwierigkeiten hatten Sie mit bta first travel in den letzten Monaten zu bewältigen?

Vor einem Jahr haben wir bei bta first travel den Krisenstab einberufen. Nie hätten wir damals gedacht, dass die Krise so lange andauern würde. Aus diesem Grund ist es auch wenig überraschend, dass nun bei allen – auch aufgrund von Kurzarbeit und Home Office – eine gewisse Ermüdung festzustellen ist. Wir sind bestrebt, den Kontakt mit den Kolleginnen und Kollegen gerade in dieser herausfordernden Zeit aufrecht zu erhalten. Auch wenn wir alle wissen, dass zum Beispiel ein virtueller Apéro ein persönliches Treffen nicht ersetzen kann. Aber gerade die persönlichen Kontakte mit den Mitarbeitenden sind für mich immer wieder sehr motivierend – auch wenn sie nur auf Distanz stattfinden können.

Was sind aktuell die grössten Herausforderungen?

Eine aktuelle Herausforderung war die Umstellung auf ein GDS – wir nutzen nun ausschliesslich Amadeus. Während der Kurzarbeit, remote das Training und die Betreuung zu organisieren, das war sehr herausfordernd. Unser Technologieteam hat hier jedoch einen hervorragenden Job gemacht.

Welchen Einfluss hat der Digitalisierungsschub in den letzten Monaten auf die Geschäftsreisewelt?

Viele Meetings werden virtuell abgehalten – gezwungenermassen: schliesslich sind Geschäftsreisen grösstenteils gar nicht möglich. Inwiefern dieser Trend auch anhalten wird, wenn sich die Situation bessert, bleibt abzuwarten. Eine aktuelle Studie der Global Business Travel Association GBTA zeigt, dass der Anteil der Firmen-Reisebudgets im Bereich Messen und Kongresse sowie für interne Meetings Meetings abnimmt, derjenige für Servicedienstleistungen der Industrie und Sales jedoch steigt. Wir gehen davon aus, dass diese Gewichtung auch nach überstandener Krise Bestand haben wird. Wir alle nutzen das Internet vermehrt für Einkäufe oder bezahlen an der Migros-Kasse mit dem Handy. Insofern sind Schritte wie das kontaktlose Check-In nur logische Konsequenzen.

«Es werden Umwege in Kauf genommen, wie es pre-Covid schlicht undenkbar war. Dies zeigt, dass Geschäftsreisen kein Auslaufmodell sind.»

Was spricht aus Ihrer Sicht dennoch für Geschäftsreisen?

Der Mensch an sich. Wie uns der persönliche Kontakt fehlt, spüren wir alle tagtäglich selbst. Wir sind soziale Wesen und diese Krise trifft da schmerzhaft auf einen Nerv. Auch wir von bta first travel tauschen uns zurzeit ausschliesslich virtuell aus – mit Kunden, Kolleginnen und Kollegen sowie Geschäftspartnern. Sicher ein möglicher Ersatz für persönliche Treffen – aber eben ein Ersatz, mehr nicht. Nicht unterschätzen darf man die kulturellen Unterschiede: Ich hatte kürzlich ein Gespräch mit der Verantwortlichen unseres internationalen Partners ATPI in Südostasien. Sie bestätigt, dass es in Asien sehr schwer sei, ein neues Geschäft ohne vorgängiges persönliches Treffen vor Ort abzuschliessen. Und auch hierzulande höre ich von Kunden in virtuellen Meetings immer wieder die Entschuldigung, wie schade es sei, dass man sich nicht persönlich treffen kann. Eine Meinung, die ich voll und ganz teile. Wir sehen auch, welche Mühsal Kunden auf sich nehmen, um von A nach B zu reisen: Es werden Umwege in Kauf genommen, wie es pre-Covid schlicht undenkbar war. Dies zeigt, dass Geschäftsreisen kein Auslaufmodell sind.

Haben sich durch die Krise auch Chancen für die Geschäftsreisen ergeben?

Wir stellen fest, dass der Kunde aufgrund der grossen Planungsunsicherheit sich vermehrt an uns wendet. Bei dem ganzen Wirrwarr an Verfügungen und Restriktionen können wir hier mit unserer persönlichen Beratung einen Mehrwert bieten. Natürlich kann man sich diese Informationen aus dem Internet holen. Aber vertraut man dann der Quelle? Und wen kontaktiert man, wenn etwas nicht klappt? Wer bietet Unterstützung? Unsere Mitarbeitenden kennen unsere Kunden persönlich, es gibt eine Vertrauensbasis. Und dieses Vertrauen spüren wir in der Krise mehr denn je. Zudem wird künftig das Thema «duty of care», das gerade bei den KMUs nicht immer den entsprechenden Stellenwert hatte, stärker gewichtet werden. Der Druck auf Arbeitgeber, hier Informationen über den exakten Aufenthaltsort aller ihrer Mitarbeitenden auf Knopfdruck die Übersicht zu haben, wird nach der Krise weiter steigen und in vielen Unternehmen wohl Pflicht werden.

«Fehlende Planungssicherheit – und diese ist momentan flächendeckend vorhanden – ist immer Gift fürs Geschäft.»

Noch immer herrschen global uneinheitliche Einreisebestimmungen. Was machen diese Umstände mit der Nachfrage nach Geschäftsreisen?

Fehlende Planungssicherheit – und diese ist momentan flächendeckend vorhanden – ist immer Gift fürs Geschäft. Wir empfehlen unseren Kundinnen und Kunden kurzfristig zu buchen. Den Wunsch nach einheitlichen, globalen Regelungen hege ich auch, aber er ist leider unrealistisch. Auf der anderen Seite ist es unmöglich abzuschätzen, inwiefern der Impfstand und die weitere Entwicklung der Fallzahlen Lockerungen der nationalen und internationalen Restriktionen nach sich ziehen wird.

Der amerikanische Airline-Experte J. Sorensen hat mithilfe verschiedener Daten berechnet, dass die Geschäftsfliegerei nie mehr das hohe Niveau von 2019 erreichen werde, sondern 19 bis 36 Prozent darunter liegen wird. Gehen Sie von ähnlichen Annahmen aus?

Ich habe in meinem Leben noch nie so viele Studien gelesen wie in den letzten Monaten. Die von mir vorhin erwähnte Studie geht davon aus, dass 2025 global das Niveau von 2019 erreicht wird. Zur Studie von J. Sorensen: Meines Wissens wurde diese Anfang Dezember veröffentlicht und bezog sich rein auf das Airline Business. Man darf nicht vergessen, dass Flug längst nur einen Teil unserer Dienstleistung ausmacht. Und ich spreche da nicht primär von Unterkunft, Bahn und Mietwagen. Unser Anspruch ist es, für unsere Kunden den gesamten Geschäftsreiseprozess abzubilden. Von der Informationssuche und Genehmigung bis zur Spesenabrechnung. Gerade die Positionierung als end-to-end Prozess Anbieter mit hoher Qualität und angemessenen, bezahlbaren Technologielösungen macht bta first travel unabhängiger von einzelnen Produkten wie Flugreisen.

«Viele freuen sich bereits wieder auf den nächsten Restaurantbesuch oder die nächste grosse Geburtstagsparty – und so geht es auch vielen Geschäftsreisenden.»

Wie entwickelt sich die Geschäftsreisewelt Ihrer Meinung nach idealerweise nach überstandener Krise?

Ich glaube, eine der wenigen positiven Auswirkungen dieser Krise wird sein, dass wir alle wieder bewusster mit unseren Freiheiten umgehen. Viele freuen sich bereits wieder auf den nächsten Restaurantbesuch oder die nächste grosse Geburtstagsparty – und so geht es auch vielen Geschäftsreisenden. Für mich nur zu verständlich – schliesslich heisst Reisen generell auch Menschen treffen, in andere Kulturen, andere Geschäftsgepflogenheiten einzutauchen. Vielleicht werden wir vieles mit mehr Gelassenheit angehen: Wird in Zukunft eine 20-minütige Verspätung eines Fluges als so schlimm empfunden, wie das noch vor der Krise noch war? Wie lange so etwas andauern wird? In meiner Erfahrung ist der Mensch ein sehr anpassungsfähiges Wesen – alte Muster kommen manchmal schneller zurück, als man denkt. Insofern wage ich da keine Prognose.