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Erstmals seit 40 Jahren findet der WTM in London nicht live statt - aber immerhin doch in virtueller Form. Bild: RELX Group

Reisemessen: Auf Absagen folgen virtuelle Events

Der WTM in London wird im November lediglich virtuell durchgeführt. Die IFTM in Paris wird derweil nach einer Verschiebung nun doch offiziell abgesagt.

Gross war der Schock im März, als mit der ITB die weltweit grösste und wichtigste Tourismusmesse kurzfristig abgesagt wurde. Die Tragweite der Corona-Krise wurde dadurch vielen Touristikern erstmals richtig bewusst. In der Folge wurden auch andere, später angesetzte Messen nach und nach abgesagt, nicht ohne dass sie zuerst zeitlich verschoben worden wären, wie etwa der IPW in den USA, der Arabian Travel Market in Dubai oder auch der «Swiss Travel Day» hierzulande, deren nächste Ausgaben erst 2021 erfolgen werden.

Inzwischen hat auch die IFTM in Paris (früher als «Top Resa» bekannt) dieses Schicksal ereilt: Der Event findet üblicherweise Ende September statt und wurde bereits vor Wochen vorsorglich auf neue Daten Mitte November verschoben. Doch die Messebetreiber haben rasch eingesehen, dass die Unsicherheit für potenzielle Aussteller zu gross war, zumal in Frankreich noch bis mindestens Ende Oktober Messen mit über 5000 Besuchern verboten sind. Deshalb wurde die IFTM nun definitiv abgesagt; als nächstes Datum wurde der 28.09.-01.10.2021 angegeben.

Findet überhaupt noch etwas statt? Nun ja, vom 8.-10. September fand der 26. International Russian Travel Market im Skolkovo Center in Moskau statt. Dem Vernehmen nach in etwas kleinerer Ausführung, aber durchaus mit Ständen von Fremdenverkehrsämtern, etwa von China und Kuba, aber auch von Spanien. Noch nicht abgesagt ist beispielsweise auch die «TTG Incontri» in Rimini, deren 57. Ausgabe vom 14.-16. Oktober steigen soll.

Und was ist mit der zweitgrössten Tourismusmesse der Welt, dem World Travel Market (WTM) in London? Diese wird durchgeführt - allerdings nicht «live».

Eine virtuelle Mega-Messe: Kommt das gut?

«Während 40 Jahren seid ihr zu uns gekommen; WTM London 2020 kommt jetzt zu Ihnen!», kommuniziert die Messebetreiberin Reed Exhibitions auf der WTM-Website. Will heissen: Erstmals in der 40-jährigen WTM-Geschichte gibt es den Event lediglich virtuell. Der virtuelle Event geht vom 9.-11. November über die Bühne und habe zum Ziel, der Reiseindustrie wieder auf die Beine zu helfen, mittels (virtuellem) Networking und Infos hinsichtlich Comeback-Strategien und -Möglichkeiten. Vorgesehen sind Live-Konferenzen und Foren, Speed-Networking-Sessions, virtuelle One-to-One-Meetings und mehr.

Der ursprüngliche Plan war gewesen, eine Mischform aus Live-Messe und virtuellem Follow-up anzubieten, doch hat sich dies zerschlagen. Dies, weil infolge der europaweit steigenden Fallzahlen und neuerlichen Einschränkungen für die Durchführung grösserer Events eine Live-Messe kaum mehr sinnvolle Chancen hatte. Die steigende Zahl der Reisebeschränkungen (Einreiseverbote oder Quarantänepflichten) und die daraus resultierende Reise-Unsicherheit verunmöglichten eine Messe mit Fachbesuchern aus aller Welt.

Dass es auch rein virtuell geht, bewies unlängst der «FVW Kongress». Vom 31. August bis 3. September gab es Online-Sessions und virtuelle Podiumsdiskussionen, denen man per Streaming folgen konnte. Der Vorteil: Alle Sessions wurden aufgezeichnet und waren folglich auch im Nachhinein noch online abrufbar.

Für Fachkongresse scheint sich die virtuelle Form bewähren zu können - für Publikumsmessen allerdings kaum eine denkbare Alternative.

(JCR)