Business Travel

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Obwohl sich die Weltwirtschaft gut entwickelt, bleibt der Preisanstieg moderat, sagen CWT und GBTA. Bild: Bruce Mars

Die Reisepreise dürften 2020 nur sanft steigen

Der «Global Travel Forecast» von CWT und GBTA sieht nur eine moderate Entwicklung der Preise. Ein gutes Zeichen.

Nach einem kräftigen Anstieg im Jahr 2019 werden sich die weltweiten Preise in der Reisebranche im kommenden Jahr voraussichtlich moderater entwickeln. Dies ist die Kernaussage des sechsten jährlichen «Global Travel Forecast», welcher diese Woche von Carlson Wagonlit Travel (CWT) und der Global Business Travel Association (GBTA) veröffentlicht wurde. Die Prognose stützt sich auf Daten der CWT Solutions Group und erlaubt einen frühzeitigen Ausblick auf die Trends und Entwicklungen, die die Geschäftsreisebranche im kommenden Jahr prägen werden.Demnach steigen Flugpreise um gerade einmal 1,2 Prozent, Hotelpreise um 1,3 Prozent und Mietwagenpreise um 1 Prozent.

Obwohl sich die Weltwirtschaft insgesamt gut entwickelt – und für 2020 sogar ein solides Wachstum von 3,6 Prozent erwartet wird – wird die Preisentwicklung voraussichtlich durch verschiedene Unsicherheitsfaktoren gedämpft, etwa eskalierende Handelskriege, die Auswirkungen des Brexit, mögliche Einschnitte bei der Ölversorgung oder die wachsende Wahrscheinlichkeit einer Rezession. Die Preisprognose von CWT/GBTA soll demnach Reiseeinkäufer bei ihren Entscheidungen in diesem herausfordernden Umfeld unterstützen.

Prognose nach Weltregionen

Europa, Nahost und Afrika

  • Der Internationale Währungsfond (IWF) erwartet ein stetiges Wachstum von 0,3 Prozent in Nahost, 1,6 Prozent in Europa und 3,6 Prozent in Afrika. Europaweit könnten aber Arbeitskämpfe, Proteste gegen den Klimawandel, globale Handelskriege, steigende Ölpreise und regionaler Terrorismus zu einer Verlangsamung führen.
  • Im Flugbereich wird Istanbuls neuer Flughafen wahrscheinlich die Verkehrsströme zwischen Europa und Asien verändern, da er sich als Alternative für Zwischenstopps auf Flügen nach China und Ostasien eignet.
  • Im Hotelbereich sollten sowohl Dänemark als auch Ägypten sollten im Auge behalten werden, da die Hotelpreise in Dänemark im nächsten Jahr voraussichtlich sinken werden. Dagegen verzeichnen die Preise in Ägypten derzeit einen Aufwärtstrends – mit einem erwarteten Anstieg von 4,7 Prozent –, da sich die Wirtschaft nach längerer Unruhe allmählich beruhigt.
  • Das osteuropäische Franchisemodell für Mietwagenunternehmen wird aufgrund des Angebots und der Nachfrage in der Region ein etwas höheres Wachstum von 1,5 Prozent verzeichnen. Wegen uneinheitlicher Bestimmungen variieren die Bahnpreise in der EMEA-Region immer noch stark.

Asien-Pazifik

  • Aufgrund der angespannten Beziehungen zwischen den USA und China, einer stärkeren Regulierung der weltweiten Finanzmärkte sowie von Naturkatastrophen hat sich die wirtschaftliche Expansion Asiens verlangsamt. Dennoch bleibt die Region die dynamischste, mit einem stetigen BIP-Wachstum, einer günstigen Inflation und einer positiven Grundstimmung.
  • Im Flugbereich hat im April die Einstellung des Flugbetriebs der indischen Fluggesellschaft Jet Airways eine Marktlücke auf einigen der wichtigsten Strecken hinterlassen. Gleichzeitig hat der verringerte Wettbewerb zu höheren Flugpreisen geführt. Doch seit andere Fluglinien mehr Flüge anbieten, um die Lücke zu schliessen, normalisieren sich die Ticketpreise allmählich wieder.
  • Im Hotelbereich lässt sich sagen, dass Asiens Hotelgewerbe mit einem prognostizierten Wachstum des Hotelinvestitionsvolumens von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr boomt. Da Japan in diesem Jahr noch die Rugby-Weltmeisterschaft sowie die Olympischen und Paralympischen Spiele im Jahr 2020 ausrichten wird, werden auch die Besucherzahlen in der Region steigen.
  • In China wird die stetige Nachfrage und der zunehmenden Wettbewerb den Mietwagenanbietern schaden. Im gesamten asiatisch-pazifischen Raum boomt das Geschäft mit privaten Fahrdiensten und viele Unternehmen gestatten ihren Mitarbeitern, diese Dienste für Geschäftsreisen zu nutzen. Anbieter wie Didi Chuxing, Grab, Go-Jek und Ola verfolgen aggressive Expansionspläne und ergreifen gleichzeitig Maßnahmen, um strengere Sicherheitsmaßnahmen umzusetzen.

Lateinamerika

  • Die lateinamerikanische Wirtschaft wächst weiter, wenn auch langsamer als erwartet – 2020 voraussichtlich um 2,5 Prozent. Die Aussichten werden durch die instabile politische und ökonomische Situation in einigen der grössten Volkswirtschaften wie Argentinien, Mexiko und Brasilien getrübt.
  • Angesichts der grossen Entfernungen, der wachsenden Mittelschicht und der geringen Marktdurchdringung beim Flugreiseverkehr bieten sich in der Region dafür viele Möglichkeiten, die von Fluggesellschaften optimal ausgenutzt werden. Seit 2017 sind mehrere neue Fluggesellschaften in den Markt eingetreten und in Brasilien, Mexiko und Kolumbien haben Billigfluglinien erhebliche Marktanteile gewonnen.
  • Nachdem die Zahl neuer Hotels seit einem Höhepunkt im Zeitraum 2015-2016 stetig zurückgegangen war, könnte sich die Lage nun wieder verbessern, allen voran in Mexiko. Allein im ersten Quartal 2019 wurden elf neue Hotels in der Region eröffnet und dieser Trend wird sich 2020 aller Voraussicht nach fortsetzen. Zudem werden Häuser in Mexiko und ganz Lateinamerika weiterhin die Preise senken.
  • Aufgrund der wachsenden Nachfrage in Brasilien, der grössten Volkswirtschaft der Region, ist ein leichter Anstieg bei Mietwagen zu verzeichnen. Mietwagenfirmen berichten von einem Kulturwandel weg vom Besitz eines Autos und hin zur gemeinsamen Nutzung. Gleichzeitig sorgt auch der zunehmende Tourismus für einen Aufschwung der Branche.

Nordamerika

  • Obwohl die US-Wirtschaft floriert, macht sich aufgrund von Zöllen und Handelskriegen verstärkt Unsicherheit breit. Voraussichtlich wird das BIP in den USA 2019 nur noch um 2,1 Prozent wachsen und sich in den Jahren 2020 und 2021 weiter auf 2 Prozent bzw. 1,8 Prozent abschwächen.
  • Aufgrund der starken Wirtschaft der USA und Kanadas wird erwartet, dass die Flugpreise ansteigen werden. Die meisten Fluggesellschaften werden versuchen, über Gebühren für Zusatzleistungen wettbewerbsfähig zu bleiben, deshalb könnten die Kosten für Services wie Wi-Fi und Lounge-Zugänge für Geschäftsreisende in die Höhe getrieben werden.
  • Die Hotelbranche hat ein langsames, aber stetiges Wachstum verzeichnet. Eine allmähliche Verlangsamung wird dazu beitragen, dass sich die Raten wieder normalisieren und die hohen Preise in einigen großen Städten korrigiert werden. Technologiezentren wie San Francisco, San Jose, Seattle und Vancouver wachsen derzeit noch unvermindert weiter. Doch die Nachfrage in diesen Städten ist seit Langem so hoch, dass die Preise zu sehr angestiegen sind – und Geschäftsreisende deshalb auf andere Gebiete in der Umgebung ausweichen.
  • Aufgrund langfristiger Verträge ist es unwahrscheinlich, dass sich vor 2021 oder 2022 Aufwärtstrends beim Preisniveau abzeichnen werden. Geänderte Vorlieben von Reisenden machen eine Änderung beim Fahrzeugangebot erforderlich, weg von herkömmlichen Limousinen und hin zu vielseitigeren SUVs und Vans.

(JCR)